München - Die Erleichterung über den geglückten Saison-Start war beim FC Bayern München groß - und eine Erklärung für den überzeugenden Auftritt sahen die Verantwortlichen ausgerechnet in der enttäuschenden Vorbereitung.
Wenn unsere Mannschaft hart kritisiert wird, ist sie, Müdigkeit hin oder her, in der Lage Gas zu geben, sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem 2:0-Erfolg über Borussia Dortmund. Wieder einmal hoffte die Konkurrenz vergeblich auf ein Straucheln der Münchner, denn unter Druck hat der Rekordmeister in der Bundesliga fast immer Erfolg.
Gebetsmühlenartig hatten Rummenigge & Co. auf die viel zu kurze Vorbereitung hingewiesen, aus den eigenen Reihen war trotz dürftiger Darbietungen in den Testspielen aber kein Wort der Kritik gekommen. Wir haben das Team nicht attackiert. Wir haben gesagt, wir haben Verständnis für Probleme, wir wissen, dass die Vorbereitung kurz war, schilderte Manager Uli Hoeneß. Wie groß die Erleichterung bei ihm war merkte man am 1:0 durch Roy Makaay (24. Minute). Der Manager klatschte im überschwänglichem Jubel einen jugendlichen Fan ab, der ihm über die Trainerbank hinweg sein Händchen hingehalten hatte.
Nur von der Ersatzbank aus durfte Münchens neue Angriffshoffnung Lukas Podolski das 1:0 miterleben. Der Zugang vom 1. FC Köln war wegen seines Trainingsrückstandes nur Reservist, an seiner Stelle bewies sich Roque Santa Cruz neben dem überragenden Makaay. Roque und ich sind gut eingespielt. Mit ihm spiele ich seit drei Jahren, mit Lukas gerade mal drei Spiele, sagte der Niederländer, der nicht nur als Torschütze glänzte. Der Angreifer fungierte als Anspielstation, zeigte unermüdlichen Einsatz - und erntete verdientes Lob von allen Seiten. Wir hatten mit Roy Makaay den überragenden Mann und mit Oliver Kahn einen guten zwischen den Pfosten, analysierte Trainer Felix Magath, der seinem Team nach dem Training am Samstagvormittag für zwei Tage frei gab.
Angesichts der harschen Kritik der vergangenen Tage verbuchten die Bayern-Profis die Punkte mit Genugtuung. Vorbereitungsspiele zählen nicht so sehr. Man muss fit sein und dann gewinnen, wenn es um was geht, sagte Bastian Schweinsteiger, den die Kritik ein bisschen genervt hatte. Der WM-Teilnehmer zeigte viel Einsatz und leistete durch sein 2:0 (55.) seinen Beitrag zum Erfolg. Die Vorarbeit kam von Philipp Lahm - und mit der Kombination wurden noch einmal WM- Erinnerung geweckt. Auch schon vor dem Spiel hatten viele noch einmal an die Party-Wochen von vor über einem Monat gedacht, denn erstmals war vor dem Anpfiff die Nationalhymne zur sehr stimmungsvollen Saisoneröffnung gespielt worden.
Doch nicht nur für die ehemaligen WM-Stars und jetzigen Bankdrücker Podolski und David Odonkor (Dortmund) ist nun der harte Bundesliga-Alltag eingekehrt. Auch BVB-Verteidiger Christoph Metzelder wurde von Makaay endgültig aus dem WM-Traum gerissen. Ich hatte am Anfang große Probleme reinzukommen, gestand Metzelder.
Den Grund für die Niederlage sah Dortmunds Trainer Bert van Marwijk im zaghaften Auftreten einiger Schützlinge, die aber insgesamt eine gute Vorstellung in München boten. Wir waren ein bisschen zu lieb, nicht aggressiv und kompromisslos genug, sagte der Coach, der ein Beispiel an Kompromisslosigkeit beim Einsteigen von Hasan Salihamidzic gegen BVB-Kapitän Sebastian Kehl sah. Der Dortmunder fällt dafür wegen einer Wunde am Bein für drei bis vier Wochen aus. Zudem ließen die Gäste viel zu viele gute Chancen aus oder scheiterten mit ihren Versuchen am glänzend aufgelegten Oliver Kahn in dessen 500. Bundesliga-Spiel.
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