Gelsenkirchen - Dank Torwart Ricardo hat Portugal den größten Erfolg der Verbands-Geschichte seit 40 Jahren gefeiert. Mit drei Paraden rettete der Schlussmann von Sporting Lissabon seinem Team den 3:1-Erfolg im Elfmeterschießen des WM-Viertelfinales gegen England.
Damit stellte Ricardo einen WM-Rekord auf. Vor zwei Jahren hatte er bei der Fußball-EM in Portugal gegen die Briten einen Strafstoß abgewehrt und den letzten Schuss selbst verwandelt. In der Vorschlussrunde treffen die Portugiesen in München auf Brasilien-Bezwinger und Ex-Champion Frankreich. Dann fehlt ihnen allerdings Mittelfeldakteur Petit wegen einer Gelbsperre.
Für das Fußball-Mutterland war es nach 1990 und 1998 bereits das dritte WM-Aus nach einem Elfmeterkrimi. Vor 52 000 Zuschauern in der ausverkauften Gelsenkirchener WM-Arena, darunter 30 000 Landsleute, mussten die Engländer in der zuvor torlos gebliebenen Partie allerdings den Nachteil verkraften, dass Stürmerstar Wayne Rooney (62. Minute) wegen Tätlichkeit die Rote Karte gesehen hatte.
Ich habe alles dafür gegeben, dass wir siegen. Ich bin wahnsinnig glücklich, jetzt sind wir auf dem Weg ins Finale, meinte Matchwinner Ricardo glückstrahlend. Er überbot die Bestmarken von zwei Paraden in WM-Elfmeterschießen der Deutschen Harald Schumacher (1982/1986) und Jens Lehmann (2006) sowie des Argentiniers Sergio Goycoechea (1990), des Brasilianers Claudio Taffarel (1998) und des Ukrainers Alexander Schowkowski (2006).
Ricardos Teamkollege Cristiano Ronaldo schilderte genüsslich den entscheidenden Elfmeterschuss: Ich habe mich sicher gefühlt und einfach draufgehalten. Sven-Göran Eriksson war nach seinem letzten Spiel als England-Coach bitter enttäuscht: Wir haben die Niederlage nicht verdient. Das tut unglaublich weh. Die Spieler hatten es in sich, bis ins Finale zu kommen. Für sie tut es mir sehr Leid.
Die Engländer konnten zwar zum ersten Mal bei dieser WM-Endrunde ihre Bestformation aufbieten, verpassten aber die geplante Revanche für den Viertelfinal-K.o. bei der EM in Portugal vor zwei Jahren. Portugals Trainer Luiz Felipe Scolari baute nach dem Ausfall von Spielmacher Deco und des ebenfalls Gelb-gesperrten Costinha mit der Hereinnahme von Petit und Tiago verstärkt auf Defensive. Immerhin war dafür nach überstandener Oberschenkelblessur Cristiano Ronaldo wieder dabei und unterstützte den aus Pauleta bestehenden Ein-Mann-Sturm.
Und der für Manchester United spielende portugiesische Jungstar hatte für sein wie immer sehr zurückhaltend agierendes Team gleich zwei gute Chancen (10./19.), konnte sie aber ebenso wenig nutzen wie Tiago (13.). Die Briten mit dem starken Münchner Owen Hargreaves im defensiven Mittelfeld waren zwar mehr als zuletzt um Spielkultur bemüht, ihren Aktionen fehlte aber letztlich die Präzision. So hatten sie außer Distanzschüssen durch Rooney (9.) und Frank Lampard (45.) vor der Pause keine nennenswerte Offensiv-Aktion zu bieten.
Nach dem Wechsel machten die Akteure bei Temperaturen um 30 Grad da weiter, wo sie aufgehört hatten. Eriksson ergriff die Initiative und wechselte den schwachen David Beckham gegen den erst 19-jährigen Aaron Lennon aus (52.). Der Mittelfeldstar war damit offenbar nicht einverstanden und saß danach heulend auf der Bank. Immerhin kamen die Briten etwas besser ins Spiel: Lampard (53.) und vor allem Joe Cole (59.) hatten das 1:0 auf dem Fuß. Drei Minuten später dann jedoch der Schock: Rooney sah nach einem Tritt gegen Ricardo Carvalho die Rote Karte vom aufmerksamen argentinischen Referee Elizondo.
Die Iberer um Kapitän Figo, der in seinem 125. Länderspiel wie Beckham und viele andere namhafte Akteure enttäuschte, setzten auch in Überzahl auf Konter, statt nun die Entscheidung zu suchen. Mit der Hereinnahme von drei frischen Kräften versuchte Scolari gegen Ende der regulären Spielzeit, mehr Kreativität ins Spiel seines Teams zu bringen. Vergebens: Auch der später entkräftet ausgewechselte Figo (78.) sowie auf der Gegenseite Lennon (82.) und Terry (90.+2) trafen nicht und erzwangen die Verlängerung.
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