Berlin - Die Engländer trugen Trauer, aber mit Anstand. Rund 70 000 bitter enttäuschte Briten mussten in Gelsenkirchen den späten K.o.-Schlag im Elfmeterschießen des WM-Viertelfinales gegen Portugal (1:3) verkraften.
In der Glückaufkampfbahn und auf der eigens für die Live- Übertragung hergerichteten Trabrennbahn blieb alles im Rahmen, wie die Polizei mitteilte. Es gab zunächst keine ernsten Zwischenfälle. In Frankfurt hatten sich vor dem Abendspiel zwischen Brasilien und Frankreich mehrere zehntausend Fans schon bis zu sechs Stunden vor Anpfiff friedlich in der Innenstadt und auf der Main-Arena versammelt.
Insgesamt war der Ansturm auf die Fanfeste am Tag nach dem deutschen Sieg über Argentinien und dem Italien-Erfolg gegen die Ukraine deutlich geringer ausgefallen. Nach den nächtlichen Siegesfeiern legten zahlreiche Fans erst einmal eine Verschnaufpause ein. Auch in Gelsenkirchen war der Andrang etwas schwächer als erwartet, sagte ein Sprecher der Polizei. Die Behörden hatten ursprünglich rund 100 000 Engländer erwartet. Die Portugiesen waren mit 15 000 deutlich in der Minderheit, konnten dafür aber nach dem 3:1 im Elfmeterschießen unbeschwert feiern.
Zum dritten Mal bei dieser WM war es am Vorabend des Spiels in Gelsenkirchen zu Sicherheitsproblemen gekommen. Wie schon bei den ersten Fan-Ausschreitungen in Dortmund und Stuttgart griff die Polizei durch und setzte 53 zu übermütig gewordene deutsche und britische Fans fest. Die Grenzkontrollen waren zuvor verstärkt worden, mehrere verdächtige gewaltbereite Fans wurden von der Bundespolizei zurückgewiesen.
In den anderen größeren WM-Städten erholten sich die Fans von den Anstrengungen beim deutschen Erfolg im Elfmeterschießen über Argentinien. Erstmals beobachteten die Veranstalter ein wenig Partymüdigkeit. So verloren sich in München und Stuttgart nur wenige tausend Menschen, wo sich sonst Zehntausende drängelten. Auf dem Hamburger Heiligengeistfeld, das sonst mit mehr als 70 000 Besuchern aus allen Nähten platzt, waren laut Veranstalter etwa 30 000, laut Polizei etwa 20 000 Menschen versammelt.
Auch in Berlin ging es mit etwa 100 000 Besuchern auf der größten Fanmeile Deutschlands eher gemütlich zu. Die Hauptstadt rüstet sich inzwischen für das nächste wirklich große Fußballfest, wenn Deutschland in Dortmund im Halbfinale auf Italien trifft.
Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) teilte mit, dass der Senat nun doch trotz aller Bedenken wegen drohender Verkehrsbehinderungen die Fanmeile auf der Straße des 17. Juni verlängern wird. Im Bereich hinter der Siegessäule sollen zwei weitere Videowände aufgestellt werden, so dass zusätzlich 150 000 Menschen auf das Areal passen und damit die Kapazität auf rund 900 000 erhöht wird.
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