Berlin - Die Bundesliga verspricht sich von der tollen Heim-WM im euphorisierten Deutschland einen neuen Boom. Ich bin sicher, dass die fantastische Stimmung im ganzen Land auf die Bundesliga überschwappen wird, erklärte Trainer Jupp Heynckes von Borussia Mönchengladbach.
Die meisten Club-Vertreter äußerten sich in einer dpa-Umfrage ähnlich zuversichtlich, zumal Fan-Magneten wie Borussia Dortmund oder der Hamburger SV den Dauerkarten-Vorverkauf nach Rekorderlösen bereits eingestellt haben. Durch die WM ist die Vorfreude auf die Bundesliga bei den Fans noch mehr gestiegen. Wir werden alles unternehmen, um die Euphorie aufrecht zu erhalten, betonte Coach Michael Skibbe von Bayer Leverkusen.
Wenn es gelinge, die Stimmung in die am 11. August startende Liga mitzunehmen, dann stehen wir vor einer sensationellen Saison, glaubt auch HSV-Coach Thomas Doll. Und Manager Uli Hoeneß von Branchenführer FC Bayern München erwartet sogar, dass der Fußball durch die WM neue Fans gewonnen hat. Deutschland als Land, aber auch als Fußball-Land, kann unheimlich von dieser WM profitieren.
Die forschen WM-Auftritte der jungen deutschen Mannschaft, die über Wochen zu einer ungeahnten Euphorie im Land und am Ende zu WM-Platz drei führten, sorgten dafür, dass gerade die Klinsmänner zu den positiven Erscheinungen der Endrunde gezählt werden. Die DFB-Auswahl hat mich begeistert. Sie hat mit attraktivem Fußball unerwartet und verdient viel erreicht, befand Trainer Marcel Koller vom VfL Bochum. Kollege Felix Magath vom FC Bayern gestand: Das hätte ich unserem Team nicht zugetraut. Und Mirko Slomka von Schalke 04 meinte: Wir sollten zusehen, dass wir auch in den Clubs diesen begeisternden Fußball spielen.
Als Vater des Erfolges gilt einerseits Jürgen Klinsmann, der seit seinem Amtsantritt beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) vor zwei Jahren neue Wege gegangen ist und konsequent einen Neuaufbau in Verband und Auswahlteam betrieben hat. Der deutsche Fußball ist nun weltweit anerkannt. Das haben wir dem DFB-Trainerstab zu verdanken, erklärte Thomas von Heesen (Arminia Bielefeld). Slomka ist Klinsmann dankbar, dass Themen wie Psychologie und Mentaltraining nicht mehr tabu sind. Und Heynckes wertet als das Positivste, dass - wie Klinsmann - viele Trainer auch den Mut hatten, auf junge Spieler zu setzen.
Doch als der große Veränderer, der den Fußball quasi neu erfunden hat, wird der Bundestrainer nun auch wieder nicht abgefeiert. Während jüngere Trainer wie Thomas Doll (Modernsten Erkenntnissen werden wir uns nicht verschließen) und Mainz 05-Coach Jürgen Klopp (Aus dem Fitness-Bereich picken wir uns schon was raus) einräumten, Teile der Klinsmannschen Philosophie übernehmen zu wollen, äußerte sich Routinier Jörg Berger differenzierter. Klinsmann ist ganz bestimmt kein Revolutionär, sagte der Ex-Bundesligacoach im Bayern-2-Radio. Er habe den Mut gehabt, mit einem Team zu arbeiten, das bereit war, neue Dinge anzupacken, die es aber woanders schon gab. Auch Bayer Leverkusens Ex-Manager Reiner Calmund betonte: Wir sollten nicht so tun, als ob die Vereine in der Bundesliga alle pennen würden.
So reklamiert die Fußballlehrer-Gilde der deutschen Eliteliga für sich eine Mitbeteiligung am Aufschwung. Bei den Fitness-Elementen ist nichts gemacht worden, was Klinsmann neu erfunden hat. Die Bundesliga-Trainer haben vorher Voraussetzungen geschaffen, meinte Heynckes und fand dabei breite Unterstützung. Wir in Dortmund haben immer schon so gearbeitet, sagte BVB-Coach Bert van Marwijk. Er habe viele Dinge wie das individuelle Training schon vorher so gemacht. Da ist nichts Neues dabei, merkte Eintracht Frankfurts Friedhelm Funkel an. Und Dieter Hecking von Alemannia Aachen unterstrich: Wie einige andere junge Trainer auch, habe ich diese Philosophie schon früher umgesetzt. Stabilität und Koordination gehören schon länger zu meinen Trainingsinhalten, nicht erst seit Klinsmann dies macht.
Magath glaubt, dass die DFB-Elf mit einem Club wie dem FC Bayern nicht vergleichbar sei. Als einer der wenigen Befragten bezweifelt der Meistercoach auch, dass sich die WM-Hochstimmung in den Liga-Alltag hinüberretten lässt. Die Euphorie lässt sich nicht halten. In der Bundesliga gibts ja nicht immer nur Heimspiele wie bei der WM.
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