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Zidane, Barthez, Thuram: Frankreichs Musketiere | 2006-07-09


Berlin - Die faszinierenden Endspielbilder vom traumhaften Sommerabend des 12. Juli 1998 sind auch nach acht Jahren noch immer präsent.

Der motivierende Kuss des langen Laurent Blanc auf die Glatze von Torwart Fabien Barthez vor dem mit 3:0 gegen Brasilien gewonnenen WM-Finale, die beiden zur Vorentscheidung führenden Kopfballtore des Zinédine Zidane und die Weltklasse-Leistung von Abwehrspieler Lilian Thuram gegen einen allerdings aus bis heute rätselhaften Gründen neben sich stehenden Ronaldo.

Acht Jahre nach der Sternstunde im Stade de France, die der Grande Nation den ersten WM-Triumph ihrer Fußball-Geschichte bescherte und als französische Revolution auf dem Fußballfeld beschrieben wurde, schließt sich im Berliner WM-Finale gegen Italien der Kreis für die letzten Mohikaner Zidane (34 Jahre/108 Länderspiel- Einsätze), Barthez (35/87) und Thuram (34/121), die es zusammen auf 103 Lebensjahre und 316 Länderspiele bringen. Für die Repräsentanten der Ära Zidane fällt im Olympiastadion der letzte Vorhang.

Für mich ist Zinédine Zidane mein dArtagnan unter unseren Musketieren, die bei dieser Weltmeisterschaft das Motto ,einer für alle, alle für einen so treffend personifizierten, schrieb die französische Schriftstellerin Genevieve Brisac in einem Beitrag für die Zeitung Libération vor dem Berliner Finale. Auch der Philosoph Michel Serres, Mitglied der Académie Francaise mit Lehrstuhl an der renommierten Stanford-Universität von Palo Alto/Kalifornien, stimmte in der Sportgazette LÉquipe in die zum Abschied von seiner 18-jährigen Profikarriere gesungenen Loblieder auf den scheidenden Leitwolf der Équipe tricolore ein.

Zinédine Zidane ist ein kulturelles Phänomen. Er ersetzt gewissermaßen die in der Politik und im kulturellen Leben kaum noch vorhandenen Persönlichkeiten der Gesellschaft. Die Fußball-Ikone ist für die ihre Helden auf ewig liebenden Franzosen mehr als nur ein genialer Fußballspieler. Ein Mann fürs Volk eben.

Neben der weltweit angehimmelten Lichtgestalt - dem schüchternen Gott der Franzosen (Brisac) - standen die Mitspieler stets in seinem langen Schatten. Doch fiel auch auf die Kollegen wie Barthez oder Thuram, die mit ihrem Maitre schon vor dem Endspiel den Beweis antraten, dass sich Geschichte wiederholen kann, immer auch der Brosamen des Ruhms ab. Der als größtes Sicherheitsrisiko angesehene glatzköpfige Keeper gilt als Günstling von seines Meisters Gnaden.

Thuram hatte diese Art von Protektion nie nötig. Zwar erreichte der im französischen Übersee-Departement Guadeloupe Geborene nie das Charisma Zidanes, den sie jenseits des Rheins sogar über die Legende Michel Platini stellen. Doch mit seinem politischen und sozialen Engagement ist der als Intellektueller unter den Blauen geltende Brillenträger im Gegensatz zum schweigsamen Zidane einer der gewichtigen Wortführer im Team. Zizou dagegen ließ lieber seine Füße mit den goldenen Schuhen sprechen.

Im Nachbarland Deutschland schrieben sie noch ein Mal ein schönes Schluss-Kapitel ihrer Fußball-Geschichte. Am Tag nach dem Finale werden die drei Musketiere - wie vor acht Jahren - in Paris wieder an der Mittagstafel beim Gala-Diner mit Staatspräsident Jacques Chirac sitzen. Und Millionen Franzosen werden wieder die Heldenhymne vom Tag des Ruhms anstimmen. Ende der Epoche Zidane.


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