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Frankreich stürzt Brasilien vom Thron | 2006-07-01


Frankfurt/Main - Frankreichs Alt-Stars haben den enttäuschenden Rekord-Champion Brasilien im WM-Viertelfinale mit einem 1:0 (0:0)-Erfolg vom Thron gestürzt und die Abschiedstournee ihres Regisseurs Zinedine Zidane noch einmal verlängert.

In der Neuauflage des WM-Endspiels von 1998 bestrafte die Equipe tricolore in Frankfurt unter der glänzenden Regie Zidanes die Einfallslosigkeit des Titelverteidigers und zog zum vierten Mal bei einer Fußball-Weltmeisterschaft in die Runde der letzten Vier ein.

Unter den Augen von Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac machte Thierry Henry in der 57. Minute mit seinem dritten WM-Tor die bisher größte Sensation des Turniers perfekt und sorgte zugleich für die erste WM-Niederlage der Brasilianer nach elf Spielen. Während der fünffache Titelträger erstmals seit 1990 vor dem Halbfinale die Heimreise antreten muss, kämpft die Grande Nation in der Vorschlussrunde am 05. Juli in München gegen Portugal um den erneuten Einzug in ein WM-Finale.

Ein enormes Spiel. Wir wollen jetzt noch weitermachen und versuchen, ins Finale zu kommen, da haben wir Lust drauf, sagte Zidane, der in seinem 106. Länderspiel bewies, dass er noch längst nicht zum alten Eisen zählt. Der schon 34-Jährige führte Regie fast wie in seinen besten Zeiten und lieferte mit einem Freistoß auch die Vorlage für Henrys Siegtreffer. Es war kein gestohlener Sieg. Wir haben verdient gewonnen, stellte Torschütze Henry fest. Das ist ein außergewöhnlicher Moment. Wir sind noch da. Wenn du lebst, hast du keine Zeit, es zu erklären. Jetzt wollen wir mehr, sagte Trainer Raymond Domenech.

Dagegen boten die Brasilianer erneut eine enttäuschende Leistung. Dabei hatte Trainer Carlos Alberto Parreira mit der Hereinnahme von Juninho das bisher wenig inspirierte Offensivspiel eigentlich beleben wollen, doch auch beim fünften Turnier-Auftritt konnte von Harmonie unter den Superstars keine Rede sein. Der Titelverteidiger trat vielmehr auf, als habe er das Final-Trauma des 0:3 von 1998 noch immer nicht überwunden.

Bis auf einen Kopfball von Ronaldo (11.) nach Freistoß-Flanke von Ronaldinho, der sein Ziel weit verfehlte, hatte das schon vor der Pause mit Pfiffen bedachte Starensemble aus Südamerika im Angriff wenig zu bieten. Auch in Rückstand liegend ließ das offenbar überschätzte Team jegliches Aufbäumen vermissen. Nicht einmal die Einwechslungen der Top-Stürmer Adriano und Robinho bewirkten etwas.

Im Duell der beiden letzten Weltmeister stand vor allem die Abwehr der selecao im Brennpunkt. Denn nach anfänglichem Respekt übernahmen die Franzosen die Kontrolle über das Spiel und brachten die Bundesliga-Profis Lucio und Juan im Deckungszentrum gehörig ins Schwitzen. Franck Ribery fand gegen Roberto Carlos zunächst wenig Gelegenheit, seine Spurtstärke auszuspielen, doch im zweiten Durchgang zeigte er seinem zehn Jahre älteren Widersacher immer häufiger die Hacken.

Zidane, wie Torhüter Fabien Barthez, Lilian Thuram und Patrick Vieira Mitglied der legendären 98er Elf, entzog sich in seinem 106. Länderspiel immer wieder der Bewachung durch Gilberto Silva, doch in vorderster Linie stand Einzelkämpfer Henry lange Zeit auf verlorenen Posten. Nach einem mustergültigen Pass von Zizou auf Vieira konnte Juan den Akteur von Juventus Turin nur mit einer Grätsche von hinten stoppen und hatte Glück, dass ihm der spanische Schiedsrichter Medina Cantalejo nur die Gelbe Karte zeigte.

Der Favorit agierte auch zu Beginn der zweiten Spielhälfte einfallslos. Keinem der hoch gelobten Offensiv-Künstler gelang es, das Heft gegen die wesentlich aktiveren Franzosen in die Hand zu kommen. Nachdem ein Kopfball von Vieira das Tor von Dida knapp verfehlt hatte, gelang Henry mit seinem ersten Länderspiel-Tor auf Zuspiel von Zidane die längst verdiente Führung. Vier Minuten später hätte Juan beinahe einen Schuss von Ribery ins eigene Tor abgelenkt. Mit schnellem Herauslaufen gegen den immer stärker werdenden Ribery verhinderte Dida (70.) das drohende 0:2.


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