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Die Fußballschuh-Tüftler | 2006-07-02


Preetz - Sie haben die Fußballschuhe revolutioniert und wohl auch zum Wunder von Bern beigetragen: die Schraubstollen.

Kurz vor der Fußball-WM hat Sportschuh-Hersteller Puma dem Konkurrenten adidas den jahrzehntelang unangetasteten Stollen-Ruhm streitig gemacht - doch ein weithin unbekannter Dritter aus dem Norden ist auch noch im Spiel. Albert Bünn hieß der vor einem halben Jahr mit 81 Jahren gestorbene Schuhmachermeister aus Preetz bei Kiel, der frühzeitig eindrehbare Fußballstollen ertüftelte: Am 1. Februar 1948 hat er das beim Deutschen Patentamt in München angemeldet, berichtet Bünns Sohn Reimer. Vermarkten konnte sein Vater die Idee aber nie.

Er hatte die Beziehungen nicht oder das Geld nicht oder er war nicht schlau genug, sagt Reimer Bünn (58). Wie bei den Spike-Schuhen der Leichtathleten ragten bei Bünns Modell Stifte aus der Schuhsohle, auf die Lederstollen geschraubt wurden. Er hatte das Gewinde im Stollen, heute ist es ja im Schuh, erzählt der Erfindersohn. Adi Dassler, der Firmengründer von adidas, hat das Prinzip praktisch umgedreht, sagt Erich Klimm, der sich als Vorsitzender des Preetzer Heimatvereins auch um das Erbe des findigen Schuhmachers kümmert und die Empfangsbestätigung für die Patentanmeldung bewahrt.

1948 war auch das Jahr, in dem nach Puma-Angaben Rudolf Dassler erstmals mit Schraubstollen experimentiert hatte. adidas wiederum verwies im jüngsten Disput darauf, dass man bereits 1949 die ersten patentierten Schraubstollen für Fußballschuhe auf den Markt gebracht habe.

Puma merkt dazu an, das Patent habe damals in den Händen beider Brüder gelegen, die es zuvor gemeinsam als Gründer der Gebrüder Dassler Schuhfabrik aus dem Ausland erworben hätten. Es gab mehrere Patente, so von den Brüdern Dassler, als sie noch gemeinsam eine Firma hatten, aus England und auch von Herrn Bünn, sagte Puma-Sprecher Ulf Santjer. Dessen Patent kam bei der Entwicklung der Schraubstollen durch Puma-Gründer Rudolf Dassler allerdings nicht zum Einsatz. Entscheidend sei ohnehin, wer zuerst auf dem Markt war.

Wie wichtig das Schuhwerk ist, hatte schon der Gewinn des ersten deutschen WM-Titels gezeigt: In rutschstabilen adidas-Schuhen - nach Firmenangaben war damals aber das gesamte Schuhkonzept revolutionär - schaffte es das Herberger-Team am 4. Juli 1954 im WM-Endspiel sensationell, auf durchweichtem Rasen den mit schlechterem Schuhwerk ausgerüsteten Favoriten Ungarn mit 3:2 zu schlagen.

Puma wiederum führt an, Schraubstollenschuhe der Marke seien Archivaufzeichnungen zufolge bereits 1952/53 erstmals auf dem Spielfeld eingesetzt worden. Am 23. Mai 1954 trugen sie dann - noch vor dem WM-Finale - im Endspiel um die deutsche Meisterschaft acht Spieler von Hannover 96 (5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern).

Der jüngste Schuh-Streit ließ in Preetz die Erinnerung an den eigenen Stollen-Pionier wieder aufleben. Mit einem Paar Bünnscher Schuhe kann der Heimatvereins-Vorsitzende leider nicht aufwarten, alle Suche blieb bisher vergeblich. Auch Reimer Bünn, der ebenfalls Schuhmacher ist, hat solche Schuhe nie gesehen. Es sind ja auch nicht viele davon hergestellt worden. Nur an die Stollen kann er sich erinnern, doch auch von ihnen ist nichts mehr da. Beim Aufräumen sind sie irgendwann einmal verschwunden, sagt Bünn.


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