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Die Ukraine feiert ihre Helden | 2006-07-02


Kiew - Als Niederlage hat in der Ukraine niemand das Ausscheiden der eigenen Nationalmannschaft im WM-Viertelfinale aufgefasst. Mit Krimsekt und Blumen begrüßten hunderte Fußball-Anhänger in der Nacht auf dem Kiewer Flughafen die Mannschaft und Trainer Oleg Blochin.

Offenbar haben wir einen solchen Empfang auch verdient, sagte Mittelfeldspieler Andrej Gussin nach der Rückkehr. Die heimischen Medien zogen eine positive Bilanz der ersten ukrainischen WM-Teilnahme. Die Ukrainer kehren erhobenen Hauptes nach Hause zurück, schrieb die Kiewer Zeitschrift Korrespondent nach der deutlichen 0:3-Niederlage gegen Italien.

Noch auf dem Flughafen kündigte der ukrainische Minister für Familie, Jugend und Sport, Juri Pawlenko, an, alle Nationalspieler mit dem Titel Verdienter Meister des Sports auszuzeichnen. Auch das Trainergespann um Blochin werde für die Erfolge geehrt.

Im zweitgrößten Land Europas hatten zehntausende Menschen vor Großbildschirmen das Ausscheiden ihrer Nationalmannschaft verfolgt. Gegen den Druck der Squadra Azzurra fanden die Ukrainer kein Mittel und vergaben ihre wenigen Chancen. Ein Märchen mit traurigem Ende, schrieb Korrespondent.

In die Trauer mischte sich Stolz, dass die Mannschaft um Stürmerstar Andrej Schewtschenko überhaupt die Runde der letzten acht erreichte. Die Ukraine hat von allen Debütanten und Mannschaften der Mittelklasse am besten abgeschnitten, sagte Fan Alexej in Kiew. Dass die Ukraine sich mit ihrem defensiven Spiel und schwankenden Leistungen in Deutschland und beim internationalen Publikum nicht viele Freunde gemacht hat, zählt in der Heimat nicht.

Der sportliche Erfolg bedeutet auch einen politischen Sieg - die zutiefst gespaltene Ukraine scharte sich in den vergangenen Wochen einig hinter ihrer Sbirna. Wir Fußballer haben das Land geeint, sagte der Spieler Wladislaw Waschtschuk nach der Rückkehr in Kiew. In Lwiw (Lemberg) im nationalpatriotisch gesonnenen Westen der Ukraine störte sich kein Fan mehr daran, dass die Fußballhelden aus dem Zentrum und Osten des Landes stammen und besser Russisch als Ukrainisch sprechen. Und im russisch geprägten Donezk im Osten fanden plötzlich Trikots in den ukrainischen Nationalfarben Blau-Gelb reißenden Absatz. Dank dem Fußball werden wir Patrioten, beobachtete die Ukrainska Prawda.

Auf der Tribüne in Hamburg verfolgten drei ukrainische Präsidenten das Spiel - der amtierende Staatschef Viktor Juschtschenko und seine Vorgänger Leonid Krawtschuk und Leonid Kutschma. Natürlich wissen alle Ukrainer, dass der Erfolg der Nationalmannschaft mit den Namen politischer Opponenten Juschtschenkos verbunden ist. Oleg Blochin als Trainer, die Gebrüder Grigori Surkis (Präsident des Fußballverbandes) und Igor Surkis (Präsident von Dynamo Kiew) und die Besitzer der Vereine Schachtjor Donezk und Dnepr Dnepropetrowsk gehören allesamt zu den Gegnern der Orangenen Revolution.

Juschtschenko nahm das gute Abschneiden der Kicker dennoch für das ganze Land in Anspruch. Heute kann jeder Ukrainer stolz auf die Nationalmannschaft sein. Mit dem Auftritt bei der WM wächst nach Ansicht Juschtschenkos auch die Chance, erstmals ein großes Fußballfest in die Ukraine zu holen. Sein Land bewirbt sich gemeinsam mit Polen um die Ausrichtung der Europameisterschaft 2012.


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