Sport News :: Fussball News

SPORT NEWS:

SPORTWETTEN:

POKER

ARCHIV:

LINK EXCHANGE:

Trauer, Tränen und Totenstille in Brasilien | 2006-07-02


Rio de Janeiro - Jorge weint nicht mehr. Der 15-jährige Straßenjunge ist am Strand in Rio de Janeiro eingeschlafen. Eine Totenstille und ein Gefühl der Trauer liegen über die Stadt am Zuckerhut und über ganz Brasilien.

Das ist schlimmer, als hätte Gott Karneval und Samba abgeschafft, meint ein älterer Mann, der auf der Promenade in Copacabana gesenkten Hauptes spazieren geht. Ein Radiosprecher stammelt: Ich möchte mich noch immer am liebsten unter dem Teppich verkriechen.

Das unerwartete Aus bei der Fußball-WM hat das Land, das sonst unbeschwerte Fröhlichkeit als Markenzeichen hat, tief getroffen. In Rio und anderen Großstädten hatten sich die Fanmeilen und öffentlichen Plätze, auf denen sich Zehntausende versammelt hatten, um das Spiel zu verfolgen und den vermeintlich leichten Sieg gegen Frankreich zu feiern, in Sekundenschnelle geleert. Wildfremde Menschen aller Rassen und Klassen waren sich beim Abpfiff heulend in die Arme gefallen.

In der traditionellen Fanmeile Alzira Brandao im Norden Rios versuchten einige leichtbekleidete Frauen die Massen noch mit Tänzen und Anfeuerungsrufen zu trösten. Umsonst. Was solls, wir sind wieder die Köter der Welt, meint ein junger Mann. Gemeint ist ein Ausspruch des legendären Dichters und Journalisten Nelson Rodrigues, der vor vielen Jahrzehnten gesagt hatte, Brasilien überwinde mit Fußballerfolgen seine Straßenköter-Minderwertigkeitskomplexe. Zahnlücken und Analphabetismus könne man mit internationalen Siegen leichter übersehen, meint er.

Im Ausland sind die Reaktionen der Brasilianer auf eine solche Schlappe wie gegen Frankreich kaum vorstellbar. Menschen schließen sich tagelang im Schlafzimmer ein, gehen nicht mehr zur Arbeit. Frauen beklagen sich öffentlich, ihre Männer würden nun tagelang nicht ansprechbar sein. Die Onlineausgabe der Zeitung Estado de Sao Paulo schrieb, es handele sich um eine der größten Tragödien des brasilianischen Fußballs. Auch andere Medien und Experten gingen mit den einst gelobten Fußballgöttern, der angeblich besten Elf aller Zeiten, hart ins Gericht.

Der frühere Weltstar Falcao versicherte als Kommentator des Fernsehsenders Globo, die Seleçao sei überheblich gewesen. Die Vorstellung der Elf sei apathisch und deprimierend gewesen, heißt es überall. Die Zeitung O Globo titelt groß auf Seite Eins: Frankreich liquidiert Brasilien. Darunter heißt es, die Nationalelf sei mit einer schwachen Vorstellung aus dem Turnier geworfen worden. Mann könne nur noch auf den großen Felipe setzen. Luiz Felipe Scolari - jenen Brasilianer, der 2002 die WM mit Ronaldo und Co. gewann und nun Portugal bereits ins Halbfinale brachte.

Den Grund für das Fiasko suchen nun viele. Globo-Kolumnist Joao Pedro Gueiros scheint ihn gefunden zu haben: In der festen Überzeugung, dass seine Überlegenheit ein absoluter Wert war, hat Brasilien vergessen, auf die eigenen Schwachpunkte und auf die Gegner zu schauen. In den drei Jahren der Vorbereitung hat der Hochmut stets die Grenzen einer tollen Generation versteckt.

Andere Medien warfen dem Nationalverband CBF vor, in erster Linie auf das Geld geschaut und die Spieler als dressierte Tierchen missbraucht zu haben - etwa bei öffentlichen Terminen im Trainingslager im schweizerischen Weggis. Eine solche Kritik war vor der Schlappe in Brasilien allerdings nirgendwo zu hören. Da hatten die Medien in die Massenhysterie eingestimmt, den Hexa, den sechsten WM-Titel vorgefeiert und bei Interviews mit Spieler eher Götterverehrung betrieben.

Der 38-jährige Zahnarzt Joao hatte in Rio nach der 0:3-Niederlage 1998 gegen Frankreich sogar den Camembert von der Einkaufsliste gestrichen, obwohl er französisches Essen liebt. Ich werde mit meinem Boykott weiter leiden, mindestens vier Jahre, sagte er mit Tränen in den Augen nach dem erneuten Aus gegen die Franzosen.


Juventus trotzt der FIFA: Klage eingereicht
Beckenbauer sagt 1860 München Unterstützung zu
Hohe Auszeichnungen für Blochin und Ukraine-Stars
Hertha-Aufsichtsratschef dementiert Finanzsorgen
Wehen verliert in Unterzahl: 2:4 gegen Karlsruhe
Deutsche Werber lieben Klinsmann
Abgeklärte Bayern zittern sich ins Viertelfinale
Kuranyi kritisiert Schalker Einkaufspolitik
Hinkel mit Zerrung - Bielefeld-Einsatz fraglich
Geheimplan: Braunbär Bruno neues WM-Maskottchen?

1671 | 1652 | 1592 | 1469 | 1774 | 13629 | 13751 | 13442 | 13358 | 13267 |