Gelsenkirchen - Kein Lächeln, wenig Freude, kaum eine Regung - mit bittersüßer Miene ließ Owen Hargreaves die Ehrung zum besten Spieler der Partie über sich ergehen.
Weder die Trophäe noch das Lob seiner Mitspieler für eine tadellose Leistung spendeten Trost. Zu tief saß der Frust über das abermalige Scheitern der Engländer im Elfmeterschießen und das Viertelfinal-Aus gegen Portugal. Es ist eine Schande, dass wir jetzt nach Hause fahren, klagte der Mittelfeldspieler des FC Bayern München mehrfach.
An ihm lag es nicht, dass der Traum vom ersten WM-Titel der Three Lions seit 1966 vorzeitig zu Ende ging. Gleich drei seiner Nationalmannschaftskollegen scheiterten im Elfmeterdrama an Portugals Keeper Ricardo. Nur Hargreaves behielt die Nerven - ganz so, als sei die Sicherheit deutscher Elfmeterschützen in seiner Bundesliga-Zeit auf ihn übergegangen. Achselzuckend rätselte er über den anhaltenden Penalty-Fluch der Engländer: Ich glaube nicht, dass man das erklären kann. Wir haben das intensiv trainiert und verfügen eigentlich über Weltklasseschützen.
Von der Selbstsicherheit und Laufbereitschaft des von Trainer Sven-Göran Eriksson geschätzten Allrounders waren die vermeintlichen Hauptdarsteller weit entfernt. Nicht David Beckham oder Frank Lampard, sondern der bisher ungeliebte Legionär wurde während der Partie in Sprechchören gefeiert. Der Sinneswandel der Fans, die Hargreaves bei seiner Einwechslung im ersten WM-Spiel der Engländer gegen Paraguay noch ausgegepfiffen hatten, war der Lohn harter Arbeit. Owen war der beste Spieler auf dem Platz. Er hatte einen unglaublichen Energiepegel und war der Fitteste von uns, lobte Abwehrspieler Jamie Carragher.
Einen Ehrenplatz im heimischen Vitrinenschrank wird der vom Weltverband überreichte silberne Becher dennoch nicht finden. Doch bei aller Enttäuschung über die vorzeitige Abreise bleibt das Gefühl, es seinen Kritikern gezeigt zu haben. Zwar gehörte Hargreaves seit seinem Debüt in der Landesauswahl vor fünf Jahren fast immer zum Stammpersonal, spielte in den englischen Medien aber immer nur eine untergeordnete Rolle. Ob er Genugtuung empfinde, wurde er nach dem Spiel gefragt. Sein leerer Blick verriet mehr als die Worte: Ich bin nicht stolz. Ich habe einfach nur versucht, alles zu geben, für diese einmalige Chance auf das Halbfinale.
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