Bühlertal - David Beckham sagt noch nicht ganz Bye Bye, macht aber den Weg frei für einen Neuanfang bei der englischen Fußball-Nationalmannschaft.
Knapp 16 Stunden nach dem bitteren Elfmeter-K.o. im WM-Viertelfinale gegen Portugal in Gelsenkirchen reichte der 31-jährige Superstar von Real Madrid seinen Rücktritt als Kapitän der Three Lions ein. Es war die schwerste Entscheidung meines Lebens, aber es ist an der Zeit, die Kapitänsbinde weiterzugeben, sagte Beckham in Englands Trainingscamp in Bühlertal mit Tränen erstickter Stimme. An einen kompletten Rücktritt dachte er aber nicht: Ich will unbedingt unter dem neuen Trainer und dem neuen Spielführer meinen Beitrag leisten, damit es mit dem englischen Fußball vorwärts geht.
Als Beckham seine in der Nacht verfasste Erklärung vorgelesen hatte, klatschten die englischen Journalisten laut Beifall. Er ist unser Golden Boy, ein fantastischer Spieler, sagte Trainer Sven-Göran Eriksson und flehte die Medienvertreter an: Lasst ihn in Ruhe, tötet ihn nicht! Denn ihr braucht ihn noch. Der 58-jährige Schwede scheidet wegen der Scheichaffäre vorzeitig aus dem Amt und wird von seinem Assistenten Steve McClaren abgelöst. Sein Vorgänger Peter Taylor hatte Beckham zum Kapitän gemacht. Seit der ersten Partie als Spielführer am 15. November 2000 gegen Italien hatte der Mittelfeldspieler bis zum WM-Aus in Gelsenkirchen England 58 Mal angeführt.
Ich habe die Entscheidung mit meiner Familie besprochen. Sie ist mir sehr schwer gefallen, sagte Beckham und rang während der Erklärung immer wieder um seine Fassung. Ich wäre lieber nach der WM als Weltmeister zurückgetreten und nicht mit diesem bitteren Ende. In der rund zweiminütigen Erklärung betonte er, dass er aber weiterhin für England spielen werde und auch eine WM-Teilnahme 2010 nicht ausschließe. Es war eine absolute Ehre für mich, Kapitän zu sein. Ich bin absolut stolz, habe einen Traum gelebt und werde für immer dankbar sein, sagte Beckham, der intern enorm an Einfluss verloren hatte und in der Hierarchie hinter Frank Lampard, John Terry und Steven Gerrard zurückgefallen war. Einer aus diesem Trio dürfte nun Beckhams Nachfolger werden.
Beckhams letztes Spiel für die Three Lions als Kapitän dauerte nur 58 Minuten. Wegen einer Knieverletzung, die er sich in der ersten Halbzeit der Partie gegen Portugal zugezogen hatte, machte er für Aaron Lennon Platz und erlebte auf der Reservebank mit Tränen in den Augen das bittere Aus seiner Mannschaft.
Für einer der besten Spieler der Welt war die WM eine Tortur. Als Standfußballer auf dem rechten Flügel, offenkundig nicht in körperlich bester Verfassung, konnte er dem englischen Spiele keine Impulse geben. Allein der Freistoß, der durch ein Eigentor von Carlos Gamarra zum 1:0-Auftaktsieg gegen Paraguay führte, und sein Kunstschuss zum 1:0-Achtelfinalsieg über Ecuador ließen seine Klasse aufblitzen. Die Öffentlichkeit kritisierte den Alt-Star, und selbst Eriksson hatte seinem Lieblingsschüler mit der Ersatzbank gedroht.
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