Hamburg - Der Staatspräsident stolz, der Grantel-Trainer endlich zufrieden und die Top-Spieler auf dem Absprung in den Westen: Trotz des Ausscheidens im Viertelfinale gehört Debütant Ukraine zu den WM-Gewinnern.
Selbst das deutliche 0:3 gegen Italien tat dem neuen Selbstwertgefühl der Osteuropäer keinen Abbruch. Sie kommen als Helden nach Hause, würdigte Staatspräsident Viktor Juschtschenko das Auftreten. Er zeigte sich in Hamburg begeistert von seinem Team, das wegen seiner Mauer-Taktik allerdings bei neutralen Beobachtern kaum Sympathisanten gefunden hatte.
Die Mannschaft hat im Turnierverlauf eine brillante Entwicklung gezeigt, meinte der Führer der Orangenen Revolution stolz. Juschtschenko geht davon aus, dass die Gelb-Blauen damit einen wichtigen Beitrag zur Bewerbung um die EM 2012 durch die Ukraine und Polen geleistet haben. Selbst der stets knurrig wirkende Blochin hatte die schmerzliche Pleite gegen die starke Squadra Azzurra schnell aus dem Kopf verbannt, zeigte mal ein Lächeln und versuchte sogar, witzig zu sein: Ich danke den Journalisten für ihre vielen aufschlussreichen Artikel über das ukrainische Team. Dies alles zu lesen, war für mich wie Science-Fiction-Literatur, sagte er nach dem Match schmunzelnd. Wir standen unter den Top-Acht der Welt, wer kann das schon von sich sagen?, meinte Blochin.
Für das weite Vordringen werden die Spieler in ihrer Heimat nicht nur mit neuen Orden als verdiente Meister des Sports überhäuft, sondern von den Oligarchen mit umgerechnet 6,3 Millionen Euro auch fürstlich entlohnt. Jeder Spieler darf sich nun mit einem Geldregen von fast 300 000 Euro trösten, eine Summe, die den Deutschen nur beim WM-Titel winken würde. Das nach Albanien und Moldawien drittärmste Land Europas bleibt damit eine Nation der Kontraste.
Für die meisten Profis hat sich die WM aber voraussichtlich nicht nur wegen der Prämien gelohnt. Die Schattenmänner sind aus dem Schatten getreten: Vereine aus den stärksten Ligen Europas haben längst die Finger nach den Schlüsselspielern ausgestreckt, und es scheint nur noch eine Frage der Zeit, wie lange die Vereine aus Kiew und Donezk dem begehrlichen Werben und den Millionen-Angeboten Stand halten. Bislang spielten mit Chelsea-Ass Andrej Schewtschenko und dem Leverkusener Andrej Woronin nur zwei der 23 WM-Akteure in Westeuropa.
Gefragtester Mann ist Dauer-Renner Anatoli Timoschtschuk, für den Meister Donezk Angebote von Inter Mailand, Manchester United, Newcastle United und Tottenham Hotspur vorliegen sollen. Vor zwei Jahren lehnte Schachtjor-Eigentümer Rinat Achmetow Inters Neun- Millionen-Offerte noch ab, nun wird der Stahlbaron ein aufgestocktes Angebot für den bis 2008 unter Vertrag stehenden Mittelfeldmann kaum ausschlagen können. An Flankengeber Maxim Kalinitschenko ist neben dem FC Sevilla und Manchester auch Borussia Mönchengladbach dran. Spartak Moskau hat Verhandlungsbereitschaft signalisiert, ihn an den Meistbietenden abzugeben.
Als unverkäuflich gilt momentan noch der neue Schewa, Stürmer Artjom Milewski. Er ist nicht zu haben. Wir bilden nicht Spieler aus, um sie dann bei erster Gelegenheit zu verkaufen, sagte Dynamo Kiews Präsident Igor Surkis zu der Acht-Millionen-Euro-Offerte des FC Porto. Dagegen ist Surkis bereit, Verteidiger Wladislaw Waschtschuk noch in diesem Sommer und Torhüter Alexander Schowkowski im Winter für entsprechende Ablöse-Erträge ziehen zu lassen.
Für Woronin soll es Angebote aus Italien geben, um Stürmer Andrej Belik (Donezk) buhlt der spanische Bernd-Schuster-Club Getafe FC, für Abwehr-Organisator Andrej Russol (Dnepropetrowsk) bieten unter anderem Frankreichs Meister Lyon und Liga-Rivale Rennes, und Ruslan Rotan (Dynamo Kiew) wird vom FC Brügge und Betis Sevilla umworben.
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