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WM zum vierten Mal als Europameisterschaft | 2006-07-02


Berlin - Das alte Europa regiert die neue Fußball-Welt: Zum vierten Mal nach 1934, 1966 und 1982 ist das WM-Championat in seiner 76-jährigen Geschichte nach dem Viertelfinale eine Kontinental-Meisterschaft ohne die Schwergewichte aus Südamerika.

Die Etablierten mit den dreimaligen Weltmeistern Deutschland und Italien an der Spitze sowie Frankreich und Vize-Europameister Portugal greifen nun nach dem Titel. Alle Halbfinalisten sind auf Augenhöhe, aber Deutschland hat den großen Heimvorteil, beurteilte Franz Beckenbauer die Lage vor der Vorschlussrunde. Der deutsche Co-Trainer Joachim Löw bringt die Situation so auf den Punkt: Vor zwei Tagen sind wir Weltmeister geworden. Jetzt können wir noch Europameister werden.

In den von Zweck-Fußball bestimmten Spielen haben sich am Ende die Teams mit der größten Fitness durchgesetzt, während die müde oder nicht austrainiert wirkenden Teams von Titelverteidiger Brasilien und Altmeister England an sich oder ihren Nerven scheiterten. Die über die gesamte WM enttäuschenden Brasilianer fehlen erstmals seit 1990 in der Runde der Top-Four, die Briten blieben nun gar schon zum dritten Mal in einem WM-Elfmeterschießen auf der Strecke. Der 1000- PS-Motor der Brasilianer ist bei dieser WM nie richtig in Gang gekommen, urteilte Beckenbauer trefflich über den enttäuschenden Auftritt des Top-Favoriten. Und die Engländer haben beim Elfmeterschießen ohnehin die Hosen voll.

Dagegen lobte er die couragierten Auftritte des jungen deutschen Teams, das für eine Rieseneuphorie im Lande gesorgt hat. Besser kann es nicht laufen: Das ganze Land tanzt - da hat Jürgen Klinsmanns Mannschaft gehörigen Anteil dran, meinte der Chef des deutschen WM-Organisationskomitees im ZDF: Es nützt nichts, wenn man eine WM gut organisiert, aber die eigene Mannschaft scheidet früh aus.

Doch bei aller Euphorie - je bedeutsamer die Spiele wurden, desto vorsichtiger agierten die Mannschaften. Spannung ersetzte das Spektakel. Im Schnitt nur noch 1,5 Tore in den vier Viertelfinalpartien sorgten dafür, dass die ohnehin magere Torquote nach Vorrunde (2,52) und Achtelfinale (2,35) noch bis auf 2,30 Treffer pro Partie zurückging. Der Minusrekord-Marke von 1990 in Italien (2,21) ist bedenklich nahe gerückt und könnte bei lediglich drei Treffern in den vier ausstehenden Begegnungen sogar noch unterboten werden.

Die Torhüter mussten entsprechend selten eingreifen, hervortun konnten sie sich bisher nur bei Elfmetern. So hatte Jens Lehmann bis zum Penaltyschießen gegen Argentinien (4:2), bei dem er zwei Schüsse abwehren konnte, praktisch keinen schweren Ball auf sein Tor bekommen. Ähnlich erging es Portugals Ricardo, ehe er gegen England (3:1) beim Elfmeterschießen mit gleich drei abgewehrten Schüssen einen WM-Rekord aufstellte.

Starke Auftritte hatten im Viertelfinale die viel kritisierten Schiedsrichter. Die FIFA nominierte einige ihrer Besten - und die überzeugten. Lubos Michel bot bei Deutschland - Argentinien sogar eine Weltklasse-Leistung, wie der ehemalige deutsche FIFA-Referee Bernd Heynemann in der Welt am Sonntag befand. Der Slowake behielt auch im Handgemenge nach dem Elfmeterschießen die Übersicht, stellte in Leandro Cufre einen der Übeltäter vom Platz und dürfte ein Kandidat für die Leitung des Endspiels sein.

Ähnlich überzeugend agierte Horacio Elizondo bei England - Portugal, wo ihm auch Wayne Rooneys Tätlichkeit nicht entging und er dem Jungstar Rot zeigte. Jürgen Klinsmanns Trainer-Partner Löw meint dennoch, dass insgesamt sehr, sehr kleinlich gepfiffen wird. Die Schiedsrichter wären gut beraten, den Fußball etwas mehr laufen zu lassen.

Die Forderung, bei Fouls und Unfairness hart durchzugreifen, hat die Referees unter Zugzwang gesetzt und zu Negativ-Rekorden geführt. 27 Platzverweise sind schon vor den letzten vier Turnierspielen WM-Höchstmarke (bisher 1998: 22). Auch der Gelbe-Karten-Rekord (272) von 2002 ist mit 293 Verwarnungen bereits klar überboten.


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1778 | 1528 | 1755 | 1058 | 1640 | 13638 | 13747 | 13582 | 13280 | 13976 |