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Argentinien trauert - Maradona ließ Erben im Stich | 2006-07-02


Berlin - Tritte, Tränen und Trauer - als sie seinen Beistand am meisten brauchten, ließ Diego Armando Maradona seine Erben gnadenlos im Stich.

Eingeschlossen in seinem Hotelzimmer sah die argentinische Fußball-Legende mit Entsetzen, wie der Titelfavorit erst im Elfmeterkrimi und dann nach dem besiegelten WM-Aus gegen Deutschland die Nerven verlor. Die Spieler wollten einfach nur noch weg und verließen teilweise fluchtartig am Morgen danach ihr WM-Quartier in Herzogenaurach, während in der Heimat die Diskussionen um den Nachfolger von José Pekerman bereits voll entbrannt sind.

Wahrhaben wollen die Argentinier ihren WM-K.o. indes immer noch nicht, von weine nicht um mich, Argentinien keine Spur. Wir können erhobenen Hauptes gehen. Wir waren das gesamte Spiel über die bessere Mannschaft. Deutschland hat nicht gegen Argentinien gewonnen, sagte Elfmeter-Fehlschütze Esteban Cambiasso. Und La Nacion schrieb: Das Ausscheiden gegen Deutschland ist ungerecht und tut unglaublich weh.

Da nützten auch die tröstenden Worte von Staatschef Néstor Kirchner wenig, der die Albiceleste für ihr Spiel, ihr Können und ihre Hingabe lobte. Sie haben im Stadion alles gegeben und in Würde verloren, meinte er. Nicht ganz. Denn Leandro Cufres Tritt gegen Per Mertesacker und Maxi Rodriguez Schlag gegen Bastian Schweinsteiger bei dem Tumult nach dem deutschen Triumph trübten den ansonsten eindrucksvollen Auftritt der Himmelblau-Weißen bei der WM-Endrunde. Die FIFA kündigte bereits Strafen an.

Gerechtigkeit ist ein Wort, das es im Fußball nicht gibt, klagte Mittelfeldspieler Javier Mascherano und traf damit auch den Tenor der argentinischen Medien. Die Nationalelf hat das Aus nicht verdient. Die Argentinier hatten Willen, Fähigkeit, Temperament und Überlegenheit im Überfluss, schrieb Clarín. Argentinien bleibt nur das ohnmächtige Gefühl, die meisten der 120 Minuten ein bisschen besser gegen einen schweren Gegner gespielt zu haben, der die Zuschauer auf seiner Seite hatte, schrieb die Fachzeitung Olé.

Die Südamerikaner mussten zum ersten Mal bei dieser WM auf ihr Edel-Maskottchen verzichten. Am Tag nach dem 20. Jubiläum des WM- Triumphs am 29. Juni 1986 in Mexiko litt Maradona Zigarre paffend im Mannschaftshotel mit seinen gescheiterten Erben. Ein Freund, mit dem er sich vor der Partie nach einem nachmittäglichen Frühstück um 15.00 Uhr getroffen hatte, wurde von Sicherheitskräften abgewiesen. Die FIFA hatte ihm nach Auffälligkeiten zuvor Stadionverbot erteilt.

Maradona machte kehrt und traf wütend um 17.35 Uhr wieder im Team-Hotel ein, wo dem Jubelschrei über Roberto Ayalas Tor (49.) die Trauer über den Ausgleich durch Miroslav Klose (80.) sowie später über Ayalas und Cambiassos Elfmeter folgte. Ayala: Wir haben eine große WM gespielt und waren ein großes Team, das sich mit jeder Partie gesteigert hat. Aber nun stehen wir mit leeren Händen da.

Die Konsequenzen zog Pekerman, der mit seinen unverständlichen Wechseln das Aus der Argentinier eingeleitet hatte, und erklärte seine Amtszeit nach weniger als zwei Jahren für beendet. Kapitän Juan Pablo Sorin bedauerte dies ebenso wie Ayala: Er ist ein Teil dieser Mannschaft. Der allmächtige Verbandspräsident Julio Grondona hielt dem 56-jährigen Coach, der ein homogenes Team geformt hat, das mit zum Teil brillantem Kombinationen die Fußball-Welt verzückte und zum Vorrunden-Weltmeister avancierte, eine Hintertür offen. In Ruhe soll daheim geredet und dann entschieden werden, sagte der AFA-Chef.

Doch die potenziellen Nachfolger für das Unternehmen Südafrika 2010 stehen schon parat. Maradona sprach bereits vor dieser WM vom großen Traum, einmal Nationalcoach zu werden. Als Wunschkandidat des Volkes gilt derzeit indes Carlos Bianchi (zuletzt Atletico Madrid), der bei einer Internet-Umfrage der Zeitung Clarin deutlich mehr als 50 Prozent der Stimmen erhielt - für Maradona votierte nur jeder zehnte. Doch so oder so: Kapitän Sorin kündigte schon jetzt die Wiedergutmachung für den Albtraum von Berlin an: Wir haben eine großartige Mannschaft und werden in vier Jahren Revanche nehmen.


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