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Fanfeste rüsten zum WM-Klassiker auf | 2006-07-02


Berlin - Das Glücksgefühl der Fußball-Fans kennt vor dem WM-Halbfinale Deutschland - Italien keine Grenzen mehr. Der Jubel braucht mehr Platz. Der durchfeierten Nacht nach dem Triumph über Argentinien folgte überall im Land die Aufrüstung für das nächste rauschhafte Fanfest.

Um rund 450 000 haben die Städte einer dpa-Umfrage zufolge kurzfristig ihre Kapazitäten erhöht, um zum WM-Klassiker gegen Italien in Dortmund einen Kollaps zu verhindern. Am 4. Juli werden sicher mehr als drei Millionen Besuchern erwartet. Am meisten legt Berlin nach. Die größte Fanmeile in Deutschland wird auf der Straße des 17. Juni zur westlichen Seite der Siegessäule hin um 150 000 auf ein Fassungsvermögen von dann 900 000 erweitert. Es sind viel mehr geworden, als wir erträumt haben, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit in Berlin. Am Brandenburger Tor haben sich in den ersten drei WM-Wochen bereits sechs Millionen Menschen zur größten Gemeinschaftsfeier seit dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung versammelt.

Auf den offiziellen Fanmeilen des Fußball-Weltverbandes FIFA in den zwölf WM-Städten tanzten, sangen und jubelten bisher etwa 13 Millionen Menschen. Vor allen etwa 200 Großbildleinwänden im ganzen Land, auch außerhalb der WM-Städte, genossen bisher nach Schätzungen der Polizei und der Kommunen mehr als 20 Millionen Besucher das neue Wir-Gefühl der Gastgeber und feierten friedlich und fröhlich mit Freunden aus aller Welt.

Auch der Elfmeter-Held von Berlin, Jens Lehmann, spürt wie das Team insgesamt die Begeisterung im Land. Ich liebe es, für Deutschland zu spielen, und ich liebe es, die Menschen so glücklich und ausgelassen feiern zu sehen, sagte er nach dem Zitter-Erfolg gegen die starken Argentinier. Die Stimmung im ganzen Land ist so wunderbar, sagte auch Brasiliens Fußballlegende Pelé im ZDF- Quartier am Potsdamer Platz in Berlin. Kaiser Franz Beckenbauer ließ sich auch vom Fest-Virus anstecken: Das ist einfach unglaublich, was wir hier erleben, sagte der Chef des WM-Organisationskomitees.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zog zum Ende des Viertelfinals ein positives Fazit: Ein großes Lob geht an die Fans aus dem In- und Ausland, die allen Spekulationen zum Trotz friedlich und freundschaftlich bei dieser WM gefeiert haben. Sehr zufrieden äußerte sich auch der britische Botschafter Sir Peter Torry über das anständige Verhalten seiner Landsleute, von denen nur wenige beim Achtelfinale in Stuttgart über die Stränge geschlagen hatten. Das war nur eine kleine Minderheit im Vergleich zu der ungeheuer großen Zahl friedlicher englischer Fans in Deutschland, sagte Torry nach der problemlosen Abreise von rund 70 000 Engländern im Anschluss an den Viertelfinal-K.o. gegen Portugal in Gelsenkirchen.

Zur Befriedigung des weiter steil steigenden Party-Bedarfs mussten die Gastgeber ihre deutsche Gründlichkeit und ihr Organisationstalent voll einsetzen. In Dortmund und Berlin ist zum Beispiel geplant, riesige Trucks aufzufahren, an denen dann die zusätzlichen Videowände installiert werden. In Gelsenkirchen ist schon zum Spiel England - Portugal für 60 000 Menschen die Trabrennbahn zusätzlich zur Glückaufkampfbahn hergerichtet worden.

Leipzig öffnet das Zentralstadion für weitere 40 000 Zuschauer, auch im Frankfurter Bundesliga-Stadion können zusätzliche 40 000 Besucher unterkommen. In der Main-Arena haben bisher schon mehr als 1,5 Millionen Menschen die Live-Sendungen von den WM-Spielen verfolgt. Köln bietet zum Italien-Spiel inzwischen vier Fan-Flächen bei der Deutzer Werft, auf dem Heumarkt, dem Roncalliplatz und am Schokoladenmuseum. Beim letzten Deutschlandmatch waren über 200 000 Fans da, gegen Italien werden es bis zu 300 000 sein.

In München wird erstmals zum Halbfinale die traditionelle Wiesn als WM-Festwiese genutzt. Weil das alte Olympiastadion wegen einer WM für Kinder am Dienstag nicht zur Verfügung steht, sollen auf dem Stammgelände des Oktoberfests die Fußballfans einkehren. 25 000 Zuschauer finden dort Platz.

Die Zeichen für ein weiteres Rekordhoch in der vorhergesagten Sommerhitze der letzten WM-Woche sind auch außerhalb der reinen Festmeilen überall sichtbar. Immer mehr Balkone, Terrassen und Fenster sind beflaggt, an immer mehr Autos lässt der Fahrtwind die schwarz-rot-goldenen Mini-Fahnen knattern. Auch immer mehr Wirte, Hoteliers, Café- und Restaurantbesitzer entdecken die konsumfördernde Wirkung von rasch aufgestellten Flachbildschirmen. In Altenheimen, Freibädern, in kirchlichen Gemeindehäusern, ja selbst in Klöstern, aber auch in Bordellen wird via Fernsehen WM gefeiert.


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