Herzogenaurach - Bis in die Morgenstunden feiern, bis nachmittags schlafen und ausgerechnet im Spiel der Spiele im Hotelzimmer schmollen: Auch ohne Ballkontakt bei dieser WM spielt Diego Armando Maradona eine der Hauptrollen.
Die argentinische Fußball-Legende herzte WM-Regisseur Franz Beckenbauer, stattete seinen Nachfolgern vor dem Viertelfinale einen spätabendlichen Blitzbesuch ab, um dann im Berliner Olympiastadion in der entscheidenden Phase zu fehlen. Die dpa dokumentiert in einem chronologischen Spielfilm die WM-Show der Hand Gottes:
9. Juni: Wo ist Maradona? Entgegen der Auskunft des Organisationskomitees bleibt er dem Einmarsch der ehemaligen Weltmeister fern. Maradona: Ich bin nicht nach Deutschland gekommen, um Pelé und Franz Beckenbauer zu sehen.
10. Juni: Er ist da. Erst in der Kabine der Spieler, dann auf der VIP-Tribüne des Hamburger WM-Stadions. Im Trikot mit der Nummer 10 schwitzt, schreit und jubelt er mitsamt Anhang, unter anderem Ex-Frau Claudia und Tochter Giannina, als Argentinien zum Auftakt 2:1 gegen die Elfenbeinküste gewinnt.
12. Juni: Herzogenaurach, WM-Quartier, 12.47 Uhr: Maradona steigt aus einem dunklen Van, speist mit der Mannschaft und braust mit Zigarre im Mund, dafür aber ohne Worte um 15.05 Uhr wieder davon. Beim Hinausfahren tritt er rücksichtslos aufs Gas.
14. Juni: Maradona mal bei der Arbeit: Im Spiel Spanien gegen Ukraine in Leipzig kommentiert er für den spanischen Sender Cuatro. Sein WM-Salär: Angeblich zwei Millionen Euro. Absolut unvorhersehbar, sehr schwer zu führen, sagt ein Cuatro-Produzent über Maradona.
15. Juni: Der Fuß Gottes steht etwas zu fest auf dem Gaspedal. Maradona wird auf der Autobahn A2 bei Hamm-Uentrop in Nordrhein- Westfalen von der Polizei gestoppt. 120 km/h statt der erlaubten 80 km/h in einem Baustellenbereich. Die 95 Euro Bußgeld bezahlt der Goldjunge an Ort und Stelle.
16. Juni: Maradona, der Fan-Irrwisch, Teil 2. Beim 6:0 der Albiceleste über Serbien-Montenegro ist Maradona außer Rand und Band. Tränen der Freude.
18. Juni: Ein Argentinier beim Brasilien-Spiel. Maradona sieht sich die Partie der Selecao in München gegen Australien an.
19. Juni: Arbeitsbesuch in Stuttgart: Spanien spielt gegen Tunesien.
21. Juni: Maradona wieder in Maskottchen-Mission: Argentinien gegen die Niederlande. Nur ein 0:0.
22. Juni: Maradona feiert Maradona. Bis in die frühen Morgenstunden des nächsten Tages stößt er auf die Hand Gottes an, die ihn vor 20 Jahren im Viertelfinale gegen England unsterblich machte. Um 4.18 Uhr bereitet die Polizei der Party in einem Frankfurter Lokal ein Ende. Zu laut.
23. Juni: Wieder Dienst: Saudi-Arabien - Spanien in Kaiserslautern.
24. Juni: Edel-Fan Maradona goes East, die Fortsetzung. Achtelfinale Argentinien - Mexiko in Leipzig. Zittern, bibbern, aufatmen: 2:1 nach Verlängerung.
27. Juni: Dienst: Achtelfinale, Spanien - Frankreich. Sieger Frankreich.
28. Juni: Nachfolger einschwören beim Lunch. Bis 23.30 Uhr bleibt Maradona bei seinem spätabendlichen Besuch im Hotel HerzogsPark.
30. Juni: Maradona lässt sich um 15.00 Uhr das Frühstück aufs Zimmer bringen. 16.00 Uhr Abfahrt zum Olympiastadion. 17.35 Uhr Maradona wieder im Hotel: Einem Kumpel aus seinem Clan wurde der Zutritt verboten - offizielles FIFA-Stadionverbot. Maradona geht auch - und mit ihm etwas später seine sportlichen Erben.
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