Madrid - Unter dem Eindruck eines Skandals um angebliche Unregelmäßigkeiten bei der Briefwahl haben die Mitglieder von Real Madrid über einen neuen Präsidenten abgestimmt. Als Favorit unter den fünf Kandidaten galt der Bauunternehmer Juan Miguel Villar Mir.
Der 74-Jährige trat gemeinsam mit dem Ex-Rallye-Weltmeister Carlos Sainz an, der bei einem Wahlsieg Vizepräsident des spanischen Fußball-Rekordmeisters werden soll. Villar Mir versprach, als neuen Trainer Arsene Wenger von Arsenal London zu verpflichten und ließ verlauten, beide Seiten hätten sich bereits auf einen Vierjahresvertrag geeinigt.
Wahlberechtigt waren knapp 70 000 Mitglieder der Königlichen. Als einer der ersten gab der frühere Ministerpräsident José María Aznar seine Stimme ab. Nach Vorwürfen über angebliche Manipulationen hatte die Justiz die Briefwahl annulliert und alle auf diesem Wege bereits abgegebenen Stimmen für ungültig erklärt. Das bei Real Madrid geltende Wahlsystem könne deren Echtheit nicht garantieren, hieß es. Bei den vorherigen Wahlen hatten die per Brief eingetroffenen Stimmen bis zu 60 Prozent ausgemacht. Durch die gerichtliche Entscheidung wurde ein großer Teil der außerhalb Madrids lebenden Mitglieder von der Wahl ausgeschlossen.
Auch die übrigen Kandidaten hatten mit großen Versprechungen um die Gunst der Wähler gekämpft: Der Anwalt Arturo Baldasano stellte in Aussicht, Englands scheidenden Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson als Coach und den deutschen Ex-Real-Madrid-Profi Ulli Stielike als Sportdirektor zu holen. Der Jurist Ramón Calderón versprach die Verpflichtung des Brasilianers Kaká vom AC Mailand und des spanischen Jungstars Cesc Fabregas von Arsenal London, der Uhren-Unternehmer Juan Palacios setzte auf die Rückkehr des Erfolgstrainers Vicente del Bosque. Der frühere Präsident Lorenzo Sanz warb mit Namen wie Khalid Boulahrouz, dem niederländischen Verteidiger des Hamburger SV, und Emerson, dem brasilianischen Mittelfeldstar von Juventus Turin.
Der Wahlsieger tritt die Nachfolge des vor zwei Monaten vom Vorstand gestürzten Clubchefs Fernando Martín an. Der 58 Jahre alte Bauunternehmer war nur 57 Tagen im Amt. Er war im Februar nach dem überraschenden Rücktritt von Florentino Pérez von diesem zum Nachfolger ernannt worden.
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