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Auto rast durch Absperrung auf Berliner Fanmeile | 2006-07-02


Berlin - Schock auf der Berliner Fanmeile: Nach drei Wochen friedlicher Party und Jubelstimmung ist ein Amokfahrer in die größte deutsche WM-Partyzone vor dem Brandenburger Tor gerast und hat 21 Menschen erfasst.

Elf Verletzte mussten ins Krankenhaus, darunter ein elfjähriges Kind, dass wahrscheinlich Rippenbrüche erlitt. Der 33-jährige Fahrer und seine 55-jährige Beifahrerin wurden festgenommen und verhört. Das Motiv war zunächst unklar, Sorgen vor einem Terrorakt konnte Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) jedoch schnell zerstreuen. Es gibt keine Bombe in dem Fahrzeug. Es handelt sich nicht um einen Attentatsanschlag.

Es war ein ruhiger, sommerlich-warmer Nachmittag genau eine Woche vor dem WM-Finale. Zum Glück bummelten an diesem spielfreien Tag nur vergleichsweise wenige Berliner und Touristen über die 2,5 Kilometer lange Meile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule. Plötzlich ein Knall. Ein silberfarbener Kleinwagen mit Berliner Kennzeichen raste nahe der Baustelle der US-Botschaft auf die Gitter zu und durchbrach die Absperrung offensichtlich bewusst, wie Körting sagte. Laut Augenzeugen fuhr das Auto wohl etwa Tempo 50. Dann schlingerte der Wagen in Zick-Zack-Linien weiter und kam an einer zweiten Absperrung zum Stehen. Polizeibeamte zogen den Mann und die Beifahrerin heraus.

Etliche Passanten konnten sich mit einem Sprung zur Seite noch in Sicherheit bringen. Doch 21 Menschen wurden verletzt, bis auf das Kind blieb es bei Leichtverletzten - darunter ein Australier, ein Engländer, ein Niederländer und ein Argentinier, die zur friedlich- internationalen WM-Party gekommen waren. Die Feuerwehr rückte mit zehn Rettungswagen an, Sanitäter des Roten Kreuzes sind ohnehin direkt an der Meile stationiert. Zerbeulte Absperrgitter und beschädigte Fahrräder lagen um das Fahrzeug auf dem Asphalt. Es sah wie Absicht aus, sagte ein junger Mann, der mit seiner Freundin über die Meile geschlendert war.

Die Ermittler haben vorerst keine Klarheit über die Motive des Mannes, der verhört werden sollte. Auch darüber, ob eine Blutprobe genommen wurde, gab es zunächst keine Angaben. Es handelt sich offensichtlich um die Tat eines Menschen, der andere verletzen oder Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollte, sagte Körting. Experten der Kriminalpolizei sicherten Spuren auf dem Platz vor dem Berliner Wahrzeichen.

Der Senat als Veranstalter des Fanfestes entschied rasch, dass das Programm weitergehen soll. Es hätte schlimmer kommen können, sagte Sprecher Michael Donnermeyer. Die heitere Gelassenheit auf der Meile solle das nicht beeinträchtigen, sagt Körting. Wir werden nicht in der Lage sein zu verhindern, dass ein Verrückter in irgendeiner Form Schaden anrichtet. Nur wenige hundert Meter vom Unfallort entfernt hatte ein 16-Jähriger Ende Mai nach der Eröffnungsfeier des neuen Berliner Hauptbahnhofs 33 Menschen niedergestochen. Die Tat hatte eine Debatte um die Sicherheit bei der Weltmeisterschaft und den Fanfesten ausgelöst.

Doch auch nach der mutmaßlichen Amokfahrt soll die Meile nicht zur Hochsicherheitszone werden. Das Sicherheitskonzept mit Zäunen und Einlasskontrollen habe sich bewährt, sagte der Senator. Es mache keinen Sinn, Volksfeste mit Panzersperren aus Stahlbeton zu verbarrikadieren. Auch am Sonntag war nur der Teil der Fanmeile gesperrt, der direkt an den Unfallort grenzt. Am Abend sollte auch das Klassikkonzert Orchestermusik rund um die Welt und den Fußball als Abschluss des offiziellen WM-Kulturprogramms über die Bühne gehen - auf ausdrücklichen Wunsch von Dirigent Ingo Metzmacher und seines Deutschen Symphonie-Orchesters. Zuvor galt es, die Spuren des Vorfalls zu beseitigen. Die Feuerwehr rückte bereits wenige Stunden nach dem Unfall mit einem Tieflader und einem Kranwagen an.


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