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Calderón gewinnt Chaos-Wahl bei Real Madrid | 2006-07-03


Madrid - Nach drei Jahren ohne Titel sollte die Wahl eines neuen Präsidenten bei Real Madrid eigentlich einen Neuanfang einleiten. Doch die Abstimmung beim spanischen Fußballrekordmeister endete im Chaos: Die Königlichen stehen vor einer neuen Krise.

Bei der Wahl setzte sich der Anwalt Ramón Calderón mit knapp 30 Prozent der Stimmen gegen seine vier Konkurrenten zwar durch. Offiziell zum neuen Vereinsboss wurde der 55-Jährige wegen eines juristischen Streits um Unregelmäßigkeiten bei der Briefwahl aber nicht erklärt. Die Folge: Der mit einem Umsatz von 300 Millionen Euro reichste Club Europas ist lahm gelegt, weder die Verpflichtung eines neuen Trainers noch Spielereinkäufe sind möglich.

Der Verein befindet sich in einem Selbstzerstörungsprozess, befand die Zeitung El Mundo. Diese Wahl sei eines Vereins wie Real Madrid unwürdig gewesen. Stümperhaft!, frohlockte das katalanische Fachblatt Sport aus Barcelona. Kurz vor der Abstimmung hatte ein Madrider Gericht per einstweiliger Verfügung die Briefwahl gestoppt, rund 10 000 auf diesem Weg eingereichte Stimmen wurden nicht ausgezählt. Das undurchsichtige Wahlsystem bei Real öffne dem Betrug Tür und Tor, hieß es. Der Grund: Die per Brief abgegebenen Stimmen laufen zunächst nicht über eine zentrale Stelle, sondern werden von den Kandidaten selbst verwaltet.

Calderón selbst hatte die einstweilige Verfügung erwirkt und medienwirksam einen Sack voller Briefwahl-Stimmen verbrennen lassen, obwohl er als Mitglied des Vorstands unter dem früheren Vereinsboss Florentino Pérez den jetzt angefochtenen Briefwahlmodus abgesegnet hatte. Nun könnte dem 55-Jährigen sein eigener Vorstoß zum Verhängnis werden. Sein schärfster Rivale, Juan Miguel Villar Mir, erkennt den Sieg Calderóns nicht an und beharrt darauf, auch die per Brief eingegangenen Stimmen müssten ausgezählt werden. Kein Wunder, denn der 74-jährige Bauunternehmer und Pérez-Intimus hat nur 1642 Stimmen weniger. Völlig hilflos bat Reals Wahlkommission nun die Justiz, zu klären, ob die Abstimmung unter diesen Umständen gültig ist. Das kann allerdings Tage, Wochen oder Monate dauern.

Calderón jedenfalls trat noch in der Nacht mit seinem designierten Sportdirektor, dem Ex-Real-Profi Predrag Mijatovic, vor seine Anhänger und erklärte sich selbst zum Präsidenten. Etwas deplatziert wirkte dabei sein Versprechen: Ich werde für Einigkeit bei Real Madrid sorgen. Der 55-jährige Anwalt aus einer Familie von Stierkampf-Impresarios hatte im Wahlkampf die Verpflichtung von Fabio Capello (Juventus Turin) als neuen Coach angekündigt. Der Italiener, der vermutlich den Fußball-Skandal in seinem Land gerne hinter sich lassen will, hatte mit den Königlichen in der Saison 1996/97 die Meisterschaft gewonnen. Auch will Calderón den Brasilianer Kaká vom AC Mailand und den spanischen Jungstar Cesc Fabregas von Arsenal London holen. Das alles muss aber nun warten.


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