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Standort Deutschland in der WM-Offensive | 2006-07-03


Berlin - Beim Torjubel geht es schon einmal ohne Krawatte. Wirtschaftslenkern vom Konzernboss bis zum Verbandsgeschäftsführer beschert die Fußball-WM gerade Termine der entspannteren Art.

Dabei geht es im Stadion und beim Bier in Sponsorenzelten nahe den Arenen aber immer auch ums Geschäft: Mit Aussicht auf den Rasen lassen sich Kontakte unkompliziert pflegen oder neu knüpfen. Selbst in nüchternen Konferenzsälen und Firmenrepräsentanzen locken WM-Empfänge mit Live- Spielen auf Leinwand für geladene Gäste. Zur Weltmeisterschaft geht auch der Standort Deutschland in die Offensive.

Wenn die Elf von Bundestrainer Jürgen Klinsmann in Dortmund um den Einzug ins Endspiel kämpft, schaut von den Rängen auch eine Gruppe internationaler Investoren zu. Das Halbfinale gegen Italien ist für die Manager dabei der sportliche Höhepunkt eines wirtschaftlichen Kurzbesuchs in der Region. Das Programm: Ein Empfang mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), Besuche im Fraunhofer- Institut für Materialfluss und Logistik, bei DaimlerChrysler und im Verteilzentrum des Möbelriesen Ikea. Termine ähnlicher Mischung gab es während des Turniers für gut 100 Investoren aus aller Welt.

Das Ziel ist klar: Mit dem Stadionerlebnis sollen Entscheidungen für ein Engagement in Deutschland erleichtert werden. Es wäre sträflich, die immense Aufmerksamkeit durch die Fußball-WM nicht auch auf die Wirtschaft zu lenken, heißt es bei der bundeseigenen Agentur Invest in Germany, die für Standortmarketing zuständig ist. Die Fußball-Leidenschaft geht durch alle Branchen, sagt Marketing-Chefin Bettina Knape. Auf den Tribünensitzen gehen auch Manager rascher vom Sie zum Du über, Kontakte für spätere Geschäfte entstehen. Das ist mit keiner Werbemillion zu erreichen.

Billig ist die exklusive Betreuung aber natürlich nicht. Drei Millionen Euro stehen der Agentur für Aktionen im WM-Jahr zusätzlich zur Verfügung - an der internationalen Werbefront eine eher kleine Summe. Den Flug zum Informationsbesuch mit Stadion-Ausklang zahlen die Manager denn auch selbst - schließlich ist das bereits ein Zeichen für die Ernsthaftigkeit des Interesses. Neben Imagebroschüren und WM-Abenden in Auslandshandelskammern setzen die Standortwerber daneben auf gezielte Plakataktionen. In den U-Bahn-Stationen direkt an den Finanzplätzen von London, New York und Tokio empfiehlt Topmodel Claudia Schiffer lächelnd: Invest in Germany, boys!

Im eigenen Land trommelt derweil die Initiative Deutschland - Land der Ideen von Bundesregierung und Wirtschaft für den Standort D. Ihre Plakate mit den dezenten Blumenblüten in Schwarz-Rot-Gold prangen an Zäunen rund um die bundesweit größte Fanmeile in Berlin. Und auch die überdimensionalen Skulpturen deutscher Erfindungen vom Auto bis zum Stollenschuh im Zentrum der Hauptstadt dürften nach der WM auf etlichen Schnappschüssen von Touristen zu sehen sein.

Inwiefern sich der Aufwand zum Megaspektakel auszahlt, muss sich über das Turnier hinaus zeigen. Neben den staatlichen Programmen für neue Investoren treffen sich Firmen auch direkt mit Geschäftspartnern zu WM-Ereignissen. Dass Managern die Magie des Fußballs nicht fremd ist, verbergen jedenfalls auch deutsche Wirtschaftslenker nicht. Von einem sehr schönen Treffer in einem Kick gegen Analysten schwärmte der Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender. Und Telekom-Boss Kai-Uwe Ricke gestand freimütig, wie er einst als Mittelstürmer im Schulteam eine einzige Chance hatte - und weit über das Tor schoss.


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