Duisburg - Gewissenskonflikte hat Rolf Milser nicht. Mein Herz schlägt für Deutschland, aber ich will ein guter Gastgeber sein und wünsche den Italienern viel Glück, sagt der ehemalige Gewichtheber, in dessen Duisburger Hotel Landhaus Milser die Squadra Azzura logiert.
Vor dem WM-Halbfinale gegen Deutschland in Dortmund ist der Olympia-Sieger von 1984 stolz, eines der besten vier Teams der Welt bei mir zu Gast zu haben. Weil die Welt zu Gast bei Freunden ist, fühlt sich der 51-Jährige zur Neutralität verpflichtet. Ich wünsche mir acht Tore und ein gutes Match, das der Bessere gewinnt, sagt Milser, der die bisherigen Partien im Fernsehsessel seines Vier-Sterne-Hotels verfolgte. Nach den Spielen muss ich alles für den Empfang der Mannschaft vorbereiten, sagt der Hotelier, der auch eine italienische Nacht plant. Nicht so locker, eher angespannt sei die Atmosphäre im Team von Trainer Marcello Lippi vor dem Halbfinale.
Er unternimmt alles, um seinen Gästen den vierwöchigen Aufenthalt angenehm zu gestalten. Wir haben in Duisburg eine echte Oase geschaffen. Klimaanlage und Verdunklungsrollos sind neu installiert, unsere Empfangshalle gleicht einem italienischen Wohnzimmer, meint Milser, auf dessen täglich wechselnden Speisekarten für die Fußballer unter anderem Nudeln, Seewolf und Rinderfilet stehen. An freien Nachmittagen treffen sich Kellnerinnen und Kellner mit den Nationalspielern um Top-Star Francesco Totti auf der Hotelwiese zum Freizeitkick.
Das sind alles ganz normale Menschen, die absolut pflegeleicht sind, sagt Milser, dessen Personal überwiegend aus Italienern besteht. Sein Kompagnon Antonio Pelle, der in Italien geboren wurde, geht schon vom Titelgewinn aus: Unser Hotel wird berühmt, weil wir den Weltmeister 2006 beherbergen. Über 500 Fans der Squadra Azzura harren bisweilen vor dem Gelände aus, um einen Blick zu erhaschen. Es gelang aber erst einem Obdachlosen, der offenbar häufig am angrenzenden See übernachtet, über den doppelten Sicherheitszaun zu klettern. Er war ziemlich überrascht, als ihn das Ordnungspersonal direkt abführte, erzählt Milser.
Auch nach dem Abpfiff der Titelkämpfe will der Hotelier das WM- Flair aufrechterhalten. Eine Hingsen-Suite, die nach dem ehemaligen Zehnkämpfer benannt ist, hat Milser bereits, künftig soll es Zimmernamen nach den italienischen Stars geben. Eine Totti-Suite ist geplant, ebenso könnte es eine Casa Lippi geben, meint der Duisburger, der in der Lobby in die Vitrine mit den Original- Boxhandschuhen von Muhammad Ali und seiner eigenen Gold-Medaille auch eine Kopie des WM-Pokals stellen würde: Wenn wir bei uns den künftigen Weltmeister beherbergt haben, kann die ganze Region stolz drauf sein.
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