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Klinsmann vom Final-Einzug überzeugt | 2006-07-03


Berlin - Auch das italienische Störfeuer gegen Torsten Frings soll Fußball-Deutschland beim Sturmlauf zum vierten WM-Titel nicht aufhalten - ganz im Gegenteil:

Bundestrainer Jürgen Klinsmann ging die Polemik vor dem Halbfinal-Klassiker der dreimaligen Weltmeister zwar spürbar auf die Nerven, aber sein fester Glaube an die achte deutsche Final-Teilnahme war auch dadurch nicht zu erschüttern. Die Stimmung bei uns ist sehr konzentriert und fokussiert auf die nächste Hürde Italien, die wir nehmen wollen und nehmen werden, sagte der Bundestrainer bei der letzten Pressekonferenz 32 Stunden vor dem Anpfiff.

Jetzt erst recht, lautet das Motto im deutschen Lager vor dem Giganten-Duell in der Festung Dortmund. Die Mannschaft ist heiß, sie will mehr, sie will ins Finale, sagte Michael Ballack kämpferisch. Der von der medizinischen Abteilung ebenso wie Torjäger Miroslav Klose wieder fitgemachte Kapitän kann es gar nicht abwarten, den Italienern auf dem Platz mit sportlichen Mittel die Grenzen aufzuzeigen.

Geradezu genüsslich erinnerte Ballack an die schmachvollen Abende der jüngeren Vergangenheit, als er im März zunächst mit Deutschland in Florenz und anschließend mit dem FC Bayern München beim AC Mailand jeweils mit 1:4 untergegangen war. Die Italiener sind ein sehr starker Gegner. Sie haben uns klar dominiert - auch im Vereinsfußball. Wir haben eigentlich keine Chance. Alle Vorzeichen sprechen für sie - das ist wunderbar, sagte der Mittelfeldstar lächelnd und mit unverhohlener Kampfeslust.

Die Hoffnungen gegen die Squadra Azzurra, gegen die noch keine deutsche Nationalelf bei einer WM gewinnen konnte, ruhen auf dem enorm gewachsenen Vertrauen in die eigene Stärke und der grandiosen Heimstärke in Dortmund. Wir haben eine Wand im Rücken, die uns bis zur letzten Minute unterstützen wird - egal, wie es steht, betonte Ballack. In Dortmund wurde noch nie ein Länderspiel verloren.

Es wird von der Atmosphäre ein Spiel sein, dass Deutschland noch nicht erlebt hat, prophezeite Lokalmatador Christoph Metzelder. Die Emotionen dürften nach dem Fall Frings sogar noch höher schlagen, auch wenn Klinsmann sich mit öffentlichen Kommentaren zurückhielt und kein Öl ins Feuer gießen wollte. Wir nehmen es so, wie es kommt. Polemik gehört vor einem WM-Halbfinale zum Spielchen dazu.

Ob mit oder ohne Frings, der noch auf dem Flug von Berlin nach Dortmund wegen der Tumulte nach dem Sieg gegen Argentinien im Ungewissen war: Klinsmann will sich durch nichts und niemanden vom eingeschlagenen Titelkurs abbringen lassen. Wir sind voller Eifer und Elan, wir lassen uns nicht stoppen. Wir sind nach sechs Wochen Arbeit absolut überzeugt, dass wir die zwei größten Hürden auch noch meistern werden, erklärte der 41-Jährige. Seine Titelmission soll nicht am 4. Juli, auf den Tag genau 52 Jahre nach dem Wunder von Bern enden, sondern erst am 9. Juli in Berlin nach dem Endspiel mit dem goldenen Weltpokal in den Händen.

Nachdem sich auch Ballack und WM-Topschütze Klose fit meldeten, reduzierten sich die personellen Gedankenspiele innerhalb des Trainerstabes auf einen Notplan im Falle eines Frings-Ausfalls. Wir sind auf alle Situationen vorbereitet, versicherte Klinsmann, der in dem vielseitig verwendbaren Bremer Tim Borowski sowie dem Spezialisten Sebastian Kehl zwei Kandidaten für die Position neben Ballack zur Verfügung hätte. Plan B würde Klinsmann aber gar nicht schmecken, wie die Lobeshymne auf Frings nach dessen Spitzenleistung gegen Argentinien belegte: Torsten hat Riquelme auf grandiose Weise ausgeschaltet, jetzt ist Totti dran. Das ist sein nächster Job.

Weder personell noch taktisch gibt es Anlass zu Veränderungen, wie Ballack betonte: Die Mannschaft funktioniert. Auch die Regeneration habe ausgereicht, um notfalls wieder 120 Minuten gehen zu können. Alle Spieler haben aufgetankt, um wieder Vollgas zu geben, erklärte Ballack. Klinsmanns Ziel ist es, auch den starken Italienern das eigene, nach vorne ausgerichtete Spiel aufzudrücken. Die Spielweise wird so bleiben, wir leben sie.

Klinsmann und Ballack warnten aber eindringlich davor, dass in einem womöglich ähnlichen Geduldsspiel wie gegen Argentinien die kleinste Schwäche entscheidend sein könnte. Wir dürfen uns keine Fehler und Aussetzer erlauben - da ist man sofort draußen, sagte der Kapitän. Und der Bundestrainer ergänzte: Jetzt sind wir bei der Creme de la Creme dabei, da werden Fehler bestraft. Auch Philipp Lahm ermahnte alle, nicht wie beim jüngsten 1:4 von Florenz ins Verderben zu rennen: Man kann nicht Harakiri spielen.

Klinsmann vertraut jedoch darauf, dass die Abwehr um Per Mertesacker und Metzelder auch Italiens Torjäger Luca Toni an die Kette legen wird. Wir lassen fast gar keine Chancen mehr zu, stellte er befriedigt fest. Und im Angriff forderte der ehemalige Weltklasse-Stürmer (11 WM-Treffer) weitere Tore von Klose (10), der ihn in der Rangliste der erfolgreichsten deutschen WM-Torschützen vom zweiten Platz hinter Gerd Müller (14) verdrängen soll. Er muss mich einholen und sogar an mir vorbeiziehen, befahl Klinsmann.


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