Berlin - Der Fußball-Weltverband FIFA ist durch die verspätete Sichtung von belastenden Fernsehbildern im Fall Torsten Frings in Bedrängnis und Erklärungsnot geraten.
Das kann passieren. Wichtig ist, dass so etwas nicht durchgeht, begegnete FIFA-Mediendirektor Markus Siegler allen Vorwürfen und fügte unwirsch an: Ich lasse es nicht zu, dass man uns vorwirft, dass wir die Arbeit nicht richtig gemacht haben. Die als neue Beweise deklarierten TV- Bilder, die einen Faustschlag von Frings gegen Julio Cruz bei den Tumulten nach dem WM-Viertelfinale gegen Argentinien belegen sollen, wurden aber schon seit Samstag im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt.
Die FIFA hatte jedoch am Sonntagmorgen noch mitgeteilt, dass die Disziplinarkommission zwar gegen die argentinischen Profis Leandro Cufre und Maxi Rodriguez ein Disziplinarverfahren eingeleitet habe, nicht aber gegen deutsche Spieler. Stunden später folgte die unerwartete Wende und die FIFA-Nachricht, gegen Frings werde doch ein Verfahren eröffnet und eine Entscheidung bis zum Montagnachmittag, einen Tag vor dem Halbfinale gegen Italien in Dortmund, getroffen.
Wenn man einen neuen Sachverhalt hat, kann ein Verfahren jederzeit eröffnet werden, erklärte Siegler. Zugleich betonte er, dass der italienische Fußball-Verband keine Anstalten gemacht hat, dass die FIFA etwas anstellen solle. Vielmehr haben FIFA-Verantwortliche die TV-Bilder zu Frings entdeckt. Es waren mehrere Personen, die die Bilder gesehen haben. Es waren die richtigen, sagte er. Siegler verwies zudem auf die Fälle bei der EURO 2004, wo die Nationalspieler Alexander Frei (Schweiz) und Francesco Totti (Italien) erst durch TV-Beweise des Anspuckens von Gegenspielern überführt und nachträglich sanktioniert wurden.
Verständnis für das FIFA-Vorgehen zeigte Theo Zwanziger, der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Zunächst einmal muss man natürlich der FIFA zugute halten, dass sie sportliche Vergehen aufklären muss, sagte er, und die Ermittlungen sind ja für sich gesehen nichts Anrüchiges, sondern man muss den Vorgang sichten, und man muss dann sagen, ob es hier ein sportwidriges Verhalten gegeben hat. Der DFB vertraue auf die Kompetenz der FIFA-Disziplinarkommission, zu einer gerechten Entscheidung zu kommen. Vorsitzender des FIFA-Gremiums, das aus insgesamt 19 Mitgliedern besteht, ist der Schweizer Marcel Mathier.
Die FIFA wollte die Entscheidung im Frings-Fall heute bis spätestens 17.00 Uhr bekannt geben. Wir wissen, dass es im nationalen Interesse ist und werden die Entscheidung der Disziplinarkommission schnell mitteilen, erklärte Siegler. Der DFB musste bis 13.00 Uhr Zeit eine Erklärung dazu abgeben. Bei der Verhandlung am Nachmittag war der Verband durch Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff und Anwalt Christoph Schickhardt vertreten. Frings selbst beteuerte seine Unschuld und wurde vom vermeintlichen Opfer entlastet. Ich bin nicht geschlagen worden oder habe es zumindest nicht gemerkt, sagte Cruz der La Gazzetta dello Sport.
Allein diese Aussage zu seinen Gunsten würde Frings aber nichts nützen. Dies hat überhaupt keinen Einfluss. Auch wenn der Gegenspieler bei einem Foul keinen Schmerz verspürt, ist es ein Foul, meinte Siegler. Wenn jemand sich revanchiert, ist er nicht schuldlos. Die Absicht alleine könne schon reichen.
Dennoch rechnet Bundestrainer Jürgen Klinsmann mit einem Einsatz von Frings gegen Italien. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass Torsten in diesem Spiel sein nächstes Highlight erleben wird, sagte der 41-Jährige. Wir sind überzeugt von Torstens Unschuld. Sollte die FIFA-Disziplinarkommission zu einem anderen Ergebnis kommen, droht Frings mindestens eine Sperre für das WM-Halbfinale.
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