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Klinsmann setzt auf Mythos Dortmund | 2006-07-03


Dortmund - Der Dortmunder Stimmungs-Vulkan ist der große Trumpf von Jürgen Klinsmann - und als zusätzlichen Zünder hält der Bundestrainer noch Publikums-Joker David Odonkor in der Hinterhand.

In keiner anderen deutschen Stadt ist der Fan als 12. Mann so stark wie in der Festung Dortmund, wo die Fußball-Nationalmannschaft noch kein Länderspiel verloren hat. Diese Serie soll auch im Halbfinale gegen Italien nicht reißen. Es wird von der Atmosphäre her ein Spiel sein, das Deutschland noch nicht erlebt hat, prophezeite Lokalmatador Christoph Metzelder, der vom Mythos Westfalen-Stadion schwärmte: Das ist ein großer Pluspunkt zu unserer eigenen sportlichen Stärke.

Die überwältigenden Emotionen spürten die Nationalspieler schon im Gruppenspiel gegen Polen, als sie angetrieben von einem fanatisch und frenetisch anfeuernden Publikum in der Nachspielzeit den Siegtreffer durch Oliver Neuville erzwangen. Nach dem Sturmlauf zum 1:0 schworen sich Michael Ballack & Co.: Hierhin wollen wir im Halbfinale zurück!

20 Tage später haben sie das Versprechen erfüllt - und wollen die unglaubliche Erfolgs-Bilanz weiter aufpolieren. Warum wir dort so eine Serie haben, ist aber nicht fundamental zu erklären, sagte selbst der Klinsmannsche Regierungssprecher Metzelder ratlos. Auch ohne des Rätsels Lösung ist das Abschneiden beeindruckend: 14 Spiele, 13 Siege, 1 Unentschieden, 59:7 Tore.

Partystimmung, Schlachtgesänge und Anfeuerungsrufe bis die Stadion-Wände wackelten waren vor drei Wochen gegen Polen aber nur ein Vorgeschmack auf das, was die Klinsmann-Kicker am Dienstagabend erwarten dürfte. Zwar glaubt die Mannschaft an die eigene Stärke, aber gerade in einem so entscheidenden Spiel kann das Publikum die Extra-Portion Power freisetzen. Wir hatten in allen Stadien eine Super-Stimmung, aber Dortmund ist noch etwas anderes, sagte der Münchner Philipp Lahm. In Dortmund spielen zu können, gibt uns einen zusätzlichen Schub, betonte Kapitän Michael Ballack.

Nicht zu vergessen ist auch die Wirkung des Publikums-Jokers Odonkor. Der 22-jährige Lokalmatador von Borussia Dortmund wird von seinen Mitspielern intern schon als Heißmacher bezeichnet. Gegen Polen bereitete er den Neuville-Treffer vor, gegen Argentinien brachte er ebenfalls viel frischen Wind ins Spiel: Beide Male wurde am Ende gejubelt und gefeiert. In zumindest zwei Spielen haben wir den Sieg eingewechselt. Mit Odonkor wird das Publikum noch einmal gepuscht, sagte Metzelder.

Wenn Klinsmann den Flügelflitzer bringen sollte, dann ist er für die Zuschauer noch einmal ein neuer Zünder an der Stimmungskanone. Odonkor: Ich freue mich, wenn die Leute aufspringen. Ich will nur meine Arbeit machen, meinen Job. Was in Dortmund abgeht, hat man schon gegen Polen gesehen. Die Fans und das Stadion sind Weltklasse.


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