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Baumeister Domenech ein Fall fürs Pantheon | 2006-07-03


Hameln - Für die französische Zeitung Le Figaro ist Raymond Domenech bereits ein Fall fürs Pantheon.

Dort soll er nach dem WM-Coup über den entzauberten Fünffach-Weltmeister Brasilien und dem fünften Einzug in ein WM-Halbfinale einen Platz an der Seite jener Trainergrößen haben, die mit der Équipe tricolore Vergleichbares schafften: Albert Batteux wurde 1958 nach einem 6:3 gegen Deutschland Dritter, Michel Hidalgo scheiterte 1982 erst im Halbfinale im Elfmeter-Krimi von Sevilla ebenso an den Deutschen wie 1986 sein Nachfolger Henri Michel (0:2). Nur Aimé Jacquet holte 1998 den einzigen WM-Titel für die Grande Nation.

Raymond Domenech, der aktuelle Trainer der Blauen, die mit ihrem unerwarteten Siegeszug bei der WM die Fußball-Welt in Erstaunen und ganz Frankreich in ein ähnliches Fußballfieber versetzen wie anno 1998, gilt als Musterschüler Jacquets. Dem einflussreichen Vorsitzenden der Technischen Direktion des Französischen Fußball- Verbandes (FFF) verdankte er in erster Linie seinen Job als Nationalcoach im Juli 2004.

Die von Volkes Stimme geforderten Ex-Kämpen Laurent Blanc oder Didier Deschamps hatten das Nachsehen bei der Wahl des Nachfolgers der auf hohem Niveau gescheiterten Roger Lemerre (torloses WM-Aus 2002) und Jacques Santini (EM-Viertelfinal-K.o. 2004).

Der als Marionette des Verbandes abqualifizierte Jacquet- Günstling strafte die Kritiker Lügen und verschaffte sich mit dem weiten WM-Vordringen Anerkennung und Respekt. Jetzt hält der Baumeister der französischen Fußball-Renaissance selbst die Fäden in der Hand. So wie bei den Pressekonferenzen, bei denen er keines moderierenden Pressesprechers bedarf. Der Laienschauspieler dominiert die Bühne, auf der er sich mit dem wachsenden Erfolg sichtbar sicherer und lockerer bewegt. Wie bei seinem Ziehvater Jacquet 1998 müssen die Medien peu a peu Abbitte leisten.

Domenech genießt dies richtig und beliebt sogar zu scherzen. War sein rhetorisches Repertoire an Ironie, Sarkasmus, Süffisanz und Spott befremdlich und gefürchtet, so verbindet er seine schlagfertigen Wortspiele nun stets mit einem Zwinkern seiner von tiefschwarzen Brauen eingerahmten Augen. Der grau melierte Maskenmann, der aber immer noch genug Rätsel aufgibt, lichtet langsam sein Visier. Er treibt ein listiges Spiel mit für ihn offensichtlich hohem Spaßfaktor. Aus dem zuvor äußerst distanzierten Verhältnis Domenechs zu den Medien wird zwar keine Liebesbeziehung werden. Doch ein von gegenseitigem Respekt geprägtes Verhältnis.

Die Distanz zu seinen Spielern wird mit wachsendem Erfolg geringer. Stießen seine Methoden, Fußballer Fechten zu lassen oder sie mit Rollenspielen der Computerwelt fern zu halten, anfangs noch auf Kopfschütteln, so hat es der Hobby-Astrologe geschafft, neuen Spaß im alternden Kader zu wecken. Die Spieler müssen mit Lust auf den Platz gehen. Sie müssen Lust auf Erfolg haben, sonst funktioniert das nicht, meint Domenech, der sich auch gern philosophisch gibt.

Fußball ist wie Theater. Da werden auch nicht die Proben kritisiert, sagte er nach den kläglichen Vorrunden-Vorstellungen seines Teams. Und: Fußball ist wie das Leben. Da weiß man auch nicht, wann das letzte Match kommt. Die weisen Worte waren auf Zinédine Zidanes letztes Spiel gemünzt, was es ja einmal mehr am Mittwoch gegen Portugal werden könnte. Den Platz im Trainer-Pantheon hat Domenech so oder so.


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