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RUMMENIGGES WM Die Gefahr droht von Totti und Toni | 2006-07-03


Berlin - Anfangs schien es, als würde der Skandal daheim Italiens Nationalelf bei der WM belasten. Immerhin kommen 13 Spieler von den beschuldigten Clubs. Ich glaube aber, dass der Skandal für Trainer Lippis Team sogar von Vorteil ist.

Er lässt alle Vorgänge bei der WM rationaler erscheinen, die große Emotion, geschürt durch Italiens nicht unwichtige Presse, ist raus. Das macht es Lippi leichter, die Mannschaft einzustellen. Und schließlich können und wollen sich die Spieler der involvierten Vereine hier präsentieren. Es geht um ihre Zukunft.

Italien verdankt den Erfolg sehr stark Trainer Lippi. Er ist intelligent, gelassen und wie eine Vaterfigur für die Spieler. Er kennt die meisten schon aus der Zeit als Vereinstrainer. Und sie vertrauen ihm. Wie selbstverständlich setzte er mitten im Turnier del Piero und Cannavaro in einen Privatjet und ließ sie zu ihrem Freund und früheren Mitspieler Pessotto fliegen, dem sie nach einem Selbstmordversuch beistehen wollten.

Das Prunkstück der Squadra Azzurra ist die Abwehr. Das weiß jeder Fußball-Fan. Nicht ausgeschlossen, dass die Italiener der deutschen Elf ­ anders als Argentinien ­ das Mittelfeld überlassen. Sie wissen, dass sie sich auf ihre Abwehrleistung verlassen können. Doch wehe, wenn Italien in Führung geht. Keine Mannschaft auf der Welt kann einen 1:0-Vorsprung so souverän ausspielen.

Gefahr droht Deutschland besonders von zwei Spielern: Francesco Totti und Luca Toni. Totti ist zwar noch nicht in Topform, aber er hat sich zum mannschaftsdienlichen Spieler gewandelt. Er hat einen bärenstarken Schuss und kannte, ob aus 30 Metern oder aus dem verrücktestem Winkel, nur den Torschuss. Es war für seine Mitspieler zum verrückt werden. Nun ist er bereits als doppelter Torvorbereiter aufgefallen. Und die besonderen Flugeigenschaften des Teamgeist- Balles kommen seinem gewaltigen Schussvermögen zusätzlich zu gute.

Luca Toni ist mit seinen 1,96 Meter und 101 Kilogramm ein echter Sturmtank, ähnlich Giorgio Chinaglia, mit dem Franz Beckenbauer damals noch in New York gespielt hat. Wie es sich für einen Italiener gehört, verfügt er über eine saubere Technik ­ trotz Größe und Gewichts. Er ist im Luftkampf stark, er provoziert, schiebt. Aber Mertesacker und Metzelder sind da gewappnet. Doch Toni ist auch am Boden stark. Die beiden Tore gegen die Ukraine waren für ihn wie eine Befreiung. In der Liga der weltbesten Abwehrspieler schoss er letzte Saison 31 Tore. Das ist eine Wahnsinns-Quote. Ich kann das einschätzen, ich habe dort gespielt. Man lässt ihn besser nicht in Tornähe kommen.


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