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Amokfahrer: Ermittlungen wegen versuchten Mordes | 2006-07-03


Berlin - Gegen den Amokfahrer von der Berliner Fanmeile wird wegen versuchten Mordes ermittelt. Damit gehen Polizei und Staatsanwaltschaft von einer vorsätzlichen Tat aus.

Der 33-Jährige soll noch heute einem Richter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt werden. Bei der Amokfahrt vom Sonntagnachmittag wurden 26 Menschen verletzt, teilte Polizeisprecher Bernhard Schodrowski mit. Die Mordkommission führe die Ermittlungen.

Das WM-Sicherheitskonzept soll laut Bundesinnenministerium aber nicht geändert werden. Der Vorfall gebe keinen Anlass für eine generelle Überprüfung, sagte ein Sprecher.

Auch der Berliner Senat will an dem Sicherheitskonzept für die Fanmeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule trotz der Amokfahrt festhalten. Das Konzept sei richtig, betonte Senatssprecher Michael Donnermeyer. Das Fanfest werde aber bis zum Ende mit Vorsperren abgesichert. Auch die Innenbehörde von Senator Ehrhart Körting (SPD) unterstrich, solche Taten Einzelner könnten nie hundertprozentig ausgeschlossen werden.

Beim Berliner Fanfest sollen vor den Einlasskontrollen zusätzlich Polizisten, auch mit Fahrzeugen, eingesetzt werden und dafür sorgen, dass niemand hineinfahren kann. Bauliche Lösungen wie Betonpoller funktionierten nicht als Sperre, da diese auch Rettungsfahrzeuge behindern könnten, sagte Donnermeyer. Wir lassen uns die Stimmung nicht von einem Durchgeknallten verderben, bekräftigte er.

Über das Tatmotiv sowie die Frage, ob der Autofahrer mit Absicht auf die Meile vor dem Brandenburger Tor gerast war, wollte der Polizeisprecher aus Ermittlungsgründen nichts sagen. Die 55-jährige Beifahrerin und Mutter des Tatverdächtigen sei entlassen worden, weil es laut Polizei gegen sei keinen hinreichenden Verdacht gibt.

Bei der Amokfahrt wurden 14 Männer, 9 Frauen sowie 3 Kinder im Alter von einem, acht und elf Jahren verletzt. Einziger Schwerverletzter ist ein elfjähriger Junge. Unter den Verletzten befindet sich auch ein Polizeibeamter.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprach von einem tragischen Fall. Dies habe aber nichts mit der WM zu tun, sagte GdP- Vorsitzender Konrad Freiberg der Netzeitung. Poller oder Panzersperren seien nicht angebracht.

Schodrowski betonte, es sei nur schwer zu verhindern, dass ein Autofahrer unvermittelt aus dem Verkehr ausschert. Es gibt immer ein Restrisiko. Wenn sich jemand entscheidet, so zu handeln, dann tut er das. Der Fahrer und die Beifahrerin blieben unverletzt und wurden mit vorgehaltener Waffe festgenommen. Bei dem Fahrer handelt es sich um einen in Deutschland geborenen Mann, dessen Eltern aus Indien stammen.

Der Mann war mit seinem Kleinwagen mit Berliner Kennzeichen gegen 15.30 Uhr Richtung Brandenburger Tor gefahren. Offensichtlich mit Absicht durchbrach er das erste Absperrgitter zur Fanmeile, hatte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) in einer ersten Einschätzung gesagt. Ein Attentatsversuch wurde aber ausgeschlossen. Bei der Durchsuchung des Wagens wurde kein Sprengstoff entdeckt.

Erst Ende Mai hatte ein Amokläufer am neuen Hauptbahnhof in Berlin Angst und Schrecken ausgelöst. Mit einem Messer verletzte der Schüler im Regierungsviertel 33 Menschen. Der 16-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Nach diesem Vorfall war das WM-Sicherheitskonzept für die Fanmeilen in die Diskussion geraten.


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