Berlin - Trittbrettfahrer sind bei der Fußball-WM in Deutschland sogar in die Luft gegangen. Beim Eröffnungsspiel am 9. Juni in München versuchte ein Flugzeug mit dem Werbebanner einer australischen Airline über das WM-Stadion zu gelangen, wurde aber abgedrängt.
Dies geht weit über das Thema Kavaliersdelikt hinaus. Eine Fluggesellschaft sollte schon wissen, was eine Verbotszone ist, sagte Gregor Lentze, Geschäftsführer des Marketingbüros des Fußball-Weltverbandes FIFA in Deutschland, zu diesem besonders krassen Fall von so genanntem Ambush-Marketing.
Insgesamt hat es bei der WM rund ein Dutzend größere Versuche von Firmen und Unternehmen gegeben, auf verbotene Weise Werbung zu betreiben. So mussten etwa 1000 Fans ihre orangefarbenen Lederhosen aus Plastik wieder herunterlassen, mit denen sie von einer niederländischen Brauerei ausgerüstet wurden. Zudem wurden etwa 5000 Hüte und Mützen mit nicht genehmigten Sponsoren-Aufschriften an den Stadioneingängen konfisziert.
Es gab an den zwölf Spielorten noch andere kleine Sachen, aber insgesamt weniger als erwartet, berichtete Lentze über die Trittbrettfahrer-Aktivitäten. Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea wurden rund 3,1 Millionen Produkte beschlagnahmt und knapp 1900 Fälle von Rechtsverletzungen gegen den FIFA-Markenschutz aufgedeckt, gegen die zu 90 Prozent mit Erfolg geklagt wurde. Für den Schutz der Exklusivrechte ihrer Sponsoren bei der WM 2002 musste die FIFA 14 Millionen Schweizer Franken aufwenden. In den vergangenen vier Jahren gab es im Zusammenhang mit der WM 2006 laut FIFA rund 1700 Fälle in 80 Ländern, die von einer Task Force des Weltverbandes aufgedeckt wurden.
Dass der Bundesgerichtshof Ende April in einem Urteil den Markenschutz für den Begriff Fußball WM 2006 komplett ablehnte, hat die FIFA getroffen, ihr aber nicht geschadet. Unsere Partner haben sich fair verhalten, Rückforderungen gab es nicht, sagte FIFA- Präsident Joseph Blatter. Die 15 offiziellen FIFA-Partner haben jeweils rund 40 Millionen Euro und die sechs nationalen Förderer je 13 Millionen bezahlt, um mit der WM und den Logos werben zu können. Insgesamt wurde aus Marketing-Aktivitäten etwa 700 Millionen Euro eingenommen.
In und an den WM-Stadien sollte jedoch nicht der Eindruck der Überkommerzialisierung erzeugt werden. Mehr als 1000 Werbeflyer und 1000 kleine Geschenke dürfen vor den Arenen nicht verteilt werden. Und in den Stadien ist weniger Werbung sichtbar als bei normalen Bundesliga-Spielen, sagte Lentze. Denn wir sind die FIFA und schützen die Integrität des Sports.
Bis zur WM 2010 und darüber hinaus sollen die Einnahmen der FIFA im Bereich Marketing und Fernsehen noch einmal ordentlich gesteigert werden. Für den Zeitraum 2007 bis 2010 werden mehr als drei Milliarden Dollar veranschlagt, wovon 1,9 Milliarden aus dem TV- Rechteverkauf kommen werden. Eine Reduzierung der globalen FIFA- Partner von 15 auf nur noch sechs garantiert den Sponsoren zukünftig mehr Exklusivität und der FIFA eine um eine Milliarde Dollar aufgefüllte Kasse. Zudem werden weitere 200 Millionen Dollar aus Lizenz- und Hospitality-Erträgen erwartet.
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