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Di Stéfano feiert 80. Geburtstag | 2006-07-04


Madrid - Alfredo di Stéfano wird morgen 80, sagte der neue Real-Präsident Ramón Calderón am Montagabend bei seiner Amtseinführung im Madrider Bernabeu-Stadion, aber eigentlich sieht er aus, als würde er immer jünger.

Das Kompliment nahm di Stéfano dankbar entgegen, war dem fußballerischen Universalgenie doch durch das frühe WM-Aus sowohl seines Geburtslandes Argentinien als auch seiner zweiten Heimat Spanien der 80. Geburtstag am 4. Juli gründlich vermasselt worden.

Dagegen ist die di Stéfanos, der im Dezember nach einer schweren Herzoperation dem Tode nahe war, so groß wie die keines anderen Fußballers. Alfredo di Stéfano gewann über 20 Meisterschaften und Europapokale. Er gehörte neben Pelé, Maradona, Franz Beckenbauer und Johan Cruyff zu den besten Fußballern aller Zeiten. Der gebürtige Argentinier und spätere Spanier war der unumstrittene Chef des legendären Teams von Real Madrid, das von 1956 bis 1960 fünf Mal hintereinander den Europapokal der Landesmeister gewann.

Der blonde Pfeil, wie er wegen seiner Schnelligkeit genannt wurde, verband die spielerische Leichtigkeit eines Franz Beckenbauer mit der Torgefährlichkeit eines Gerd Müller. Di Stéfano ist der kompletteste Spieler, den ich je gesehen habe, würdigte der frühere Bundestrainer Sepp Herberger die Fähigkeiten des Alleskönners. Don Alfredo schoss in mehr als 600 Spielen für Real über 400 Tore und wurde mit den Königlichen zwischen 1954 und 1964 acht Mal spanischer Meister.

Mit seiner spielerischen Eleganz wurde er zum Synonym für das weiße Ballett, das Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre den Fußball in Europa dominierte. Er spielte nominell als Mittelstürmer, aber er zog auch die Fäden im Mittelfeld. Unsere Rivalen benötigten sechs Jahre, bis sie begriffen hatten, dass wir mit zurückgezogenem Sturmführer spielten, sagte er einmal. Di Stéfano war auch die Hauptfigur im legendären Europacup-Finale von 1960, das Real Madrid 7:3 gegen Eintracht Frankfurt gewann. Er erzielte in dieser Partie drei Treffer. Auch bei den anderen vier Siegen Reals traf er ins Tor.

Di Stéfano war ungemein selbstdiszipliniert. Außerhalb des Spielfelds sorgte er nie für Schlagzeilen. Dennoch galt er menschlich als schwierig. Seine Mitspieler hatten zuweilen unter seinen Allüren zu leiden, weil er keinen Superstar neben sich duldete. Die Madrilenen erleben ihn im Alter als wortkarg und mürrisch.

Seine Karriere begann 1943 bei River Plate in Buenos Aires. Über Bogotá in Kolumbien gelangte er nach Spanien. Sein Wechsel wurde zu einem Politikum. Die Erzrivalen Real und FC Barcelona lieferten sich ein erbittertes Tauziehen um den Ausnahmefußballer. Barça war zunächst schneller. Di Stéfano trainierte bereits mit den Katalanen, da machte doch noch Real das Rennen. Die Barça-Fans meinen heute noch, dass die Franco-Diktatur damals ihre Finger im Spiel hatte.

Di Stéfano selbst bezeichnete sich als unpolitisch. Nur einmal geriet er unfreiwillig in die Mühlen der Politik. 1963 wurde er in Venezuela von Mitgliedern einer linksextremen Gruppe gekidnappt, nach drei Tagen aber wieder freigelassen. Er bestritt 41 Länderspiele für drei Nationen (Argentinien, Kolumbien und Spanien). Als einziger Großer des Weltfußballs nahm er nie an einer WM teil. 1958 verpasste Spanien die Quakifikation, 1962 war der Star verletzt.

Als Trainer feierte er einige Erfolge, wurde mit Boca Juniors und River Plate argentinischer Meister, holte mit dem FC Valencia 1971 den Titel in Spanien und gewann 1980 den Europacup der Pokalsieger. Aber er erlebte auch bittere Reinfälle. Sein autoritärer Stil kam bei den Spielern häufig nicht gut an. Auf seiner ersten Trainerstation beim FC Elche erlitt er kläglich Schiffbruch. Bei Sporting Lissabon wurde er nach nur 40 Tagen entlassen.

Real Madrid ernannte Di Stéfano 2000 zum Ehrenpräsidenten. In den Alltag der Club-Geschäfte mischt sich der Altstar nicht ein. Allerdings meldete er sich erbost zu Wort, als das Real-Team in der vergangenen Saison immer tiefer in die Krise zu rutschen drohte: Die Spieler müssen mehr Einsatz zeigen, ging er mit den Galaktischen hart ins Gericht. Sie müssen im Zweikampf auch mal den Fuß hinhalten. Am modernen Fußball missfallen ihm die taktischen Zwänge. Früher wussten wir nur wenig von unseren Gegnern. Wir stürmten einfach drauflos, sagte er in einem Interview. Jetzt wird mit der Taktik spekuliert, und der Fußball wird zum Schachspiel.


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