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Toni: Vom Provinzkicker zum gefeierten Torjäger | 2006-07-04


Dortmund - Vom Van Basten der Provinz zum Paolo Rossi 2006: Bei der WM in Deutschland tritt Italiens neuer Stürmerstar Luca Toni in die Fußstapfen des legendären Paolo Rossi, der die Azzurri 1982 beinahe im Alleingang zum dritten Titel schoss.

Früher noch als Provinzkicker verspottet, nennen die Tifosi ihn seit seinem Doppelpack vor dem WM-Halbfinale gegen Deutschland nur noch ehrfurchtsvoll Super-Toni. In Italien längst Torjäger Nummer eins, gelang dem Mittelstürmer aus Florenz nach schwierigem WM-Start der internationale Durchbruch. Ich traue ihm zu, der Paolo Rossi 2006 zu werden, sagte Torwart Gianluigi Buffon vor dem Halbfinal-Klassiker in Dortmund. Die vielen Parallelen erscheinen den Italienern wie ein Wink des Schicksals: Wie Rossi litt auch Toni zunächst an Ladehemmung, vergab in der Vorrunde gleich reihenweise Riesenchancen. Die Kritik wurde immer lauter. Und auch unfair, beklagte sich Toni, dem mangelnder Einsatz im Training und sogar Streitigkeiten mit Mitspielern vorgeworfen wurden.

Trotz aller Kritik hielt Nationaltrainer Marcello Lippi an Toni fest, so wie einst Enzo Bearzot an Rossi. Es konnte doch nicht sein, dass einer der in den letzten drei Jahren 80 Tore geschossen hat, plötzlich alles verlernt, sagte Lippi und behielt recht: Genau wie damals Rossi explodierte der Florentiner im Viertelfinale und schoss die Azzurri mit den wichtigsten Toren meines Lebens zum 3:0-Sieg gegen die Ukraine. Er kann wirklich mein Erbe antreten, sagte Rossi. Das ist so einer, der dann nicht mehr aufzuhalten ist, warnte Günter Netzer.

Ich brauchte nur diese Befreiung sagte Toni. Mit einer fantastischen Trefferquote von 31 Toren in 38 Serie A-Spielen war die WM-Entdeckung der beste Torjäger in der italienischen Meisterschaft. In 23 Einsätzen für die Azzurri brachte es der 29-Jährige auf neun Tore. Toni ist einfach grandios, lobte ihn sein Florentiner Trainer Cesare Prandelli und Italiens La Gazzetta dello Sport meinte: Toni ist mitreißend wie ein Wirbelsturm.

Toni hängte sogar Europas Top-Torjäger wie Ruud van Nistelrooy (Manchester United), Samuel Etoo (FC Barcelona) oder auch Werder Bremens Miroslav Klose ab, den er als stets gefährlichen Top-Stürmer lobte. Keiner trifft so regelmäßig wie Toni. Und das seit Jahren. 2004 schoss Toni den FC Palermo mit 30 Toren in die Serie A, wo er im vergangenen Jahr seine Klasse mit 20 Treffern unterstrich.

Für zehn Millionen Euro holte der AC Florenz den aus dem norditalienischen Modena stammenden Toni im vergangenen Sommer in die Toskana, wo er dann durchstartete. Aus dem Provinz-Van Basten, der bislang nur in kleinen Clubs wie Vicenza, Brescia und Palermo gespielt hatte, wurde ein vom europäischen Fußball-Adel umworbener Star. Inter Mailand will 20 Millionen Euro für ihn zahlen, was für den Geschmack der Florentiner aber etwas zu knauserig ist.

Mit jedem WM-Tor steigt sein Wert. Trotz Starrummel ist Toni aber bodenständig geblieben. Neben Stars wie Francesco Totti wirkt der 1,93 Meter große Hüne immer noch geradezu schüchtern. Als ihn sein großes Idol Marco van Basten am Rande des Freundschaftsspiels der Azzurri gegen die Niederlande im vergangenen Herbst lobte, wäre er beinahe rot geworden. Toni ist erfolgreich, sympathisch bescheiden und beliebt: Italiens Fernsehzuschauer wählten ihn Anfang des Jahres sogar zu Italiens Sportler des Jahres. Der Goldene Schuh für den besten WM-Torjäger wäre Toni allerdings noch lieber.


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