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Brasilien steht jetzt hinter der Figo-Elf | 2006-07-04


Lissabon/Berlin - Zehn Millionen Portugiesen können vor dem WM-Halbfinale ihrer Elf gegen Frankreich in Großmachtgefühlen schwelgen.

Wir haben 180 Millionen Fans dazugewonnen, freuten sich Lissaboner Medien über Umfragen aus Brasilien, wonach 72 Prozent der dortigen Fans nach dem ruhmlosen Ausscheiden des eigenen Weltstar-Ensembles um Ronaldinho jetzt ganz fest die Daumen für den kleinen Fußballbruder aus Europa drücken.

Rettet unsere Ehre, schallt es quer über den Atlantischen Ozean. Der Einsatz des im Viertelfinale Portugal-England noch gesperrten Mittelfeldstars Deco mit brasilianischem Geburtsschein macht die Verbrüderung zwischen der einst mächtigen Kolonialmacht und dem im Fußball schier übermächtig gewordenen Koloss aus Südamerika nur noch stärker.

Ansonsten aber sonnen sich die Portugiesen weiter im angenehmen Gefühl, als kleiner David bei der WM schon endgültig und unwiderruflich gewonnen zu haben: Nach den hart erkämpften Siegen über die als Topfavoriten gehandelten Niederländer und Engländer ist Portugals Hauptstadt über und über mit Fahnen geschmückt. Die WM- Stimmung ist Spitze - und irgendwie auch schon ein bisschen entspannt.

Es kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Was haben wir noch zu verlieren? lautet der Grundtenor beim Straßengespräch. Torwart Ricardo als magischer Elfmeterkiller und der aus Brasilien importierte Trainer Luiz Felipe Scolari als schlauer Fuchs werden auch bei einem Ausscheiden im Halbfinale gegen die immer stärker gewordenen Franzosen um Zinedine Zidane Volkshelden dieses WM- Turniers bleiben. Sie haben schon jetzt mit dem überraschenden Vorstoß unter die letzten Vier das Trauma des im eigenen Land vor zwei Jahren verlorenen EM-Finales gegen Griechenland (0:1) in den Hintergrund gedrängt.

Bei Portugals Fußballverband herrscht ebenfalls eitel Sonnenschein wegen eigentlich nicht eingeplanter Einnahmen - bisher 14,2 Millionen Euro - durch den erfolgreichen Auftritt beim WM-Turnier in Deutschland. Für die anderen Halbfinalisten Deutschland, Italien und Frankreich, zusammen mit den Briten die Superreichen im europäischen Fußballgeschäft, wäre das ein Klacks und wohl nicht der Rede wert.

Die Portugiesen sehen sich aber durchaus bewusst als die Ärmsten in dieser erlauchten Runde und wollen das auch als zusätzliche Antriebsquelle für die beiden letzten Spiele nutzen. Die Jungfrau von Fátima in Portugals berühmtestem Wallfahrtsort - 130 Kilometer nördlich von Lissabon - wird dieser Tage besonders kräftig besucht und angerufen: Sie möge doch bitte jetzt eine neues Wunder vollbringen.


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