München - Erneuter Triumph für Zinedine Zidane oder erste Titelchance für Luis Figo? Die beiden Altstars und einstigen Club- Kollegen von Real Madrid sollen als namhafte Protagonisten im Blickpunkt des brisanten Halbfinales zwischen Portugal und Frankreich in München stehen.
Während Zizou nach dem WM-Sieg 1998 und EM-Erfolg 2000 seiner glänzenden Laufbahn einen weiteren bedeutenden Titel hinzufügen kann, wartet der angeschlagene Ex-Weltfußballer Figo noch auf die Krönung seiner Karriere - und auf Grünes Licht für seinen Einsatz.
Sowohl Figo als auch der ebenfalls am Oberschenkel verletzte Cristiano Ronaldo hätten zwar mittrainiert, sagte Trainer Felipe Scolari bei seiner Abschluss-Pressekonferenz. Doch Figos Chancen, gegen den Ex-Weltmeister aufzulaufen, seien geringer als die von Ronaldo. Die Entscheidung werde er erst kurz vor dem Spiel fällen, sagte Scolari.
Jedenfalls will sich Portugals Kapitän nicht unter Druck setzen lassen: Ob das mein letztes Turnier ist oder nicht, ich brauche niemandem etwas zu beweisen. Gleiches gilt für den schon abgeschriebenen Zauberer Zidane, dessen Genialität am Ball bei der Entthronung von Titelverteidiger Brasilien nochmals aufblitzte.
Die portugiesische Mannschaft brennt nach zwei Halbfinal- Niederlagen bei Europameisterschaften gegen Frankreich (1984 und 2000) auf Revanche. Wir haben mit den Franzosen noch eine Rechnung offen, sagte Abwehrspieler Miguel. Dabei ist den Iberern vor allem die Partie bei der EM 2000 in unschöner Erinnerung. Damals gewann Frankreich, das zuletzt 1975 eine Niederlage gegen die Portugiesen erlitt, die spannende Begegnung durch ein Golden Goal von Zidane in der 117. Minute. Er hatte einen von Abel Xavier verursachten Handelfmeter verwandelt. Die Portugiesen waren ob der strittigen Szene empört und lösten auf dem Spielfeld anschließend Tumulte aus. Portugals Nuno Gomes sah daraufhin die Rote Karte und wurde wie zwei Teamkollegen anschließend für mehrere Monate gesperrt.
Diesmal will die Scolari-Mannschaft den Spieß umdrehen, obwohl in Frankreich ein Gegner stärkeren Kalibers wartet als zuvor England und die Niederlande. Sie sind der Favorit, bekannte der Coach, der ein besonderes Augenmerk auf Zidane richten will. Er kann das Match alleine entscheiden. Auch bei seinen Spielern ist der Respekt groß. Er ist der überragende Spieler. Aber wir dürfen uns nicht zu sehr auf Zidane konzentrieren, denn dann haben die anderen Spieler mehr Freiheiten, sagte Torhüter Ricardo. Die Franzosen sind wesentlich stärker als zu Beginn des Turniers, so der Keeper, der sein Team mit drei gehaltenen Elfmetern gegen England in die Runde der Top-Vier gebracht hatte.
Sportlich hofft der EM-Zweite von 2004, nun auch seine beste Elf aufbieten und dabei zehn Spieler aufbieten zu können, die schon im vergangenen EM-Finale dabei gewesen waren. Wir werden eine schlagkräftige Mannschaft ins Rennen schicken, versprach Scolari, der mit seinem Team den ersten Titel überhaupt für Portugal gewinnen könnte.
Die Hoffnungen der durch den unerwarteten Siegeszug der Equipe Tricolore euphorisierten Grande Nation auf ein Erfolgserlebnis ruhen derweil voll und ganz auf ihrem Spielmacher. Machs noch einmal, Zizou, wünschen sich die Franzosen in Erinnerung an den WM- Sieg von 1998. Coach Raymond Domenech, der schon jetzt den größten Erfolg seiner Trainerkarriere feiern kann, wird hingegen nicht müde zu erklären, dass der Erfolg nicht vom Einzelnen abhängt. Nur eine große Mannschaft macht einen Spieler groß, sagte der Coach.
Der Teamgeist erinnert mich stark an 1998. Wir sind bei diesem Turnier zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammengewachsen, sagte Rekord-Nationalspieler Lilian Thuram. Auch Bayern-Profi Willy Sagnol, der ein Heimspiel hat, schwärmte: So eine Solidarität in der Mannschaft habe ich noch nie erlebt. Doch gegen Portugal muss das Team sicherlich an seine Leistungsgrenze gehen. Diese Mannschaft hat eine Seele, die hört nicht auf, sagte Frankreichs Trainer voller Respekt über die Portugiesen. Domenech hofft vor allem, dass es nicht wieder eine Skandalpartie gibt: Hoffentlich wird es nicht so ein hektisches Spiel wie zwischen Portugal und den Niederlanden. Ich wünsche mir einen Schiedsrichter, der das nicht erlauben wird.
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