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Notizen von der Fußball-WM | 2006-07-04


DENKMAL: Die baden-württembergische Landesregierung setzt der Fußball-Weltmeisterschaft ein Denkmal. Vor dem Spiel um Platz drei in Stuttgart soll Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) am Daimler-Stadion die Installation Global Feet enthüllen.

Zwölf der 32 WM-Mannschaftskapitäne haben für die Skulptur einen Abdruck ihres Fußes abnehmen lassen. In der Kunstgießerei Strassacker in Süßen bei Göppingen wurde der Fuß des Kroaten Niko Kovac in Bronze gegossen. Nach der WM soll das Werk weiter wachsen.

KRÄHVERBOT: Der stolze französische Hahn soll krähen, darf aber nicht, wenn les Bleues in München ein Tor gegen Portugal schießen. Stadionverbot! titelt das Pariser Boulevardblatt France Soir empört über die FIFA-Regeln, die alle Tiere aus den WM-Arenen verbannen. Schon beim Spiel in Frankfurt gegen Brasilien durfte Hahn Balthazar mit seinem Eigner Clement Tomaszewski nicht passieren. Dabei hat Balthazar in den vergangenen sechs Jahren bereits 63 Fußballspiele live erlebt - und dabei ab und zu ein paar Federn bei rabiaten Fans lassen müssen. Tomaszewski war mit zwei Campingwagen und zwei Pkw aus dem südfranzösischen Antibes zur WM angereist - mitsamt seiner ganzen Familie und Hahn Balthazar.

POLITIKERTIP: Ex-Außenminister Henry Kissinger (83) hält Alter und Erfahrung für die wahrscheinlich ausschlaggebenden Faktoren bei den noch ausstehenden WM-Spielen - und tippt deshalb auf Frankreich als Weltmeister. Wenn die Franzosen mit ihrem etwas in die Jahre gekommenen Team drei Spiele hintereinander im Stil wie gegen Brasilien schaffen, haben sie gute Aussichten, meinte der gebürtige Franke aus Fürth. In einem im Internet veröffentlichten Interview mit dem deutschen US-Botschafter Klaus Scharioth setzte der mit seinen Eltern 1938 vor den Nazis geflohene Kissinger die WM-Gastgeber auf den zweiten Platz seiner Favoritenliste: Wenn nicht Frankreich, dann wird Deutschland gewinnen.

ORDENSFLUT: Alle Spieler von Ghanas ehrenvoll im Achtelfinale ausgeschiedener WM-Elf können sich Träger des Ordens von Volta nennen. Präsident John Agyekum Kufuor zeichnete die einzige nach den Gruppenspielen überlebende afrikanische Mannschaft in Accra mit dem höchsten Orden des Landes aus und hob ihre eindrucksvolle Vorstellung in Deutschland heraus. Auch eine Woche nach dem Ausscheiden gegen Brasilien (0:3) sind die Städte in Ghana weiter mit zahllosen Fahnen und allerlei Fanartikeln geschmückt. Zwei Wochen lang habt ihr die Fahne unseres Landes in solche Höhen gehoben, dass die Welt sie nicht übersehen konnte und mit Neid darauf geblickt hatte, lobte der mit einem Fußballschal um den Hals geschmückte Präsident die Nationalmannschaft.

KINDERDÖRFER: Die Internet-Versteigerung des einzigartigen Autogrammbuchs zur FIFA WM 2006 zu Gunsten der SOS-Kinderdörfer wird nach dem Finale fortgesetzt. Sie läuft noch bis Freitag, 14. Juli. Derzeit sind bereits mehr als 4000 Euro für das wertvolle Unikat geboten, das alle 736 Fußballstars dieser Weltmeisterschaft signiert haben. Außerdem gibt es unter www.sos-kinderdoerfer.de ab sofort weitere WM-Erinnerungsstücke zu ersteigern. Seit Monaten engagieren sich Fußballstars aus aller Welt dafür, dass genug Spenden für den Bau von sechs SOS-Kinderdörfern zusammenkommen, sagte Georg Willeit von SOS-Kinderdörfer weltweit.

TANTE KÄTHE: In der Bernauer Straße in Berlin erbringen Fans von Ex-Nationaltrainer Rudi Völler auch zum WM-Finale den Beweis, dass nicht nur katholische Südländer Hilfe durch wundertätige Heilige erbitten. Im WM-Klub Tante Käthe, benannt nach dem Spitznamen für den Sympathieträger mit der dauerwelligen Haarpracht und dem ewigen Schnauzbart, werden Opfergaben vor einen Völler-Schrein gelegt. In den Räumen einer ehemaligen Schweißerei schaut sich Rudis Fangemeinde gemeinsam Spiele an. Die Straße vor dem Klubhaus heißt im Augenblick, na wie wohl, Rudi-Völler-Straße.

PATTENSEN LIEBT PER: Die niedersächsische Kleinstadt Pattensen plant nach der Weltmeisterschaft einen Empfang für Fußball- Nationalspieler Per Mertesacker. Dabei ist es egal, ob Deutschland ins Finale kommt, sagte Stadtsprecher Jörg Laszinski am Dienstag vor dem Halbfinalspiel gegen Italien. Mertesacker wohnt nach wie vor bei seinen Eltern in Pattensen nahe Hannover. Der Empfang für den 21- Jährigen soll bereits in der kommenden Woche vor dem Rathaus steigen. Der Vorplatz fasst etwa 1000 Menschen. Mertesacker hat bei allen deutschen WM-Spielen in der Startelf gestanden und bis zum Italien- Spiel auch bis zum Ende gespielt.

FLAGGEN-PROBLEME: Dem offen zur Schau gestellten Fußball- Patriotismus wollen sich auch schleswig-holsteinische Spitzenpolitiker nicht entziehen. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) ließ am Dienstag gleich zwei Deutschlandfahnen an die hinteren Seitenfenster seines Dienstautos montieren, nachdem Justizminister Uwe Döring (SPD) schon am Morgen mit der nicht offiziellen Flagge zur Kabinettssitzung vorgefahren war - zunächst noch ohne formale Genehmigung. An Dienstfahrzeugen dürfen nur die zugelassenen Dienstflaggen, Stander oder Wappen geführt werden. Andere Abzeichen sind unzulässig. Ausnahmen bedürfen der Genehmigung des Innenministeriums, heißt es in der Kfz-Richtlinie für die Behörden und Einrichtungen des Landes. Döring bekam erst im Nachhinein grünes Licht aus dem Innenministerium: Wir haben die Genehmigung erteilt, sagte Pressesprecher Thomas Giebeler.


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