Berlin - Mitfiebern und Daumendrücken für den großen Traum vom Endspiel: Das WM-Halbfinale mit dem Klassiker Deutschland gegen Italien hat einen Riesenansturm auf die großen Fanmeilen ausgelöst.
Am Spielort Dortmund mussten die Zugänge der Partyzonen wegen des Andrangs von mehr als 70 000 Menschen schon einige Stunden vor dem Anpfiff geschlossen werden. Insgesamt erwartete die Stadt bis zu 200 000 Besucher - so viele wie nie zuvor. Auch in Stuttgart, Köln und Leipzig waren die Fanfeste schon am frühen Abend dicht. In Berlin strömten laut Senat mehrere Hunderttausend Menschen auf die bundesweit größte Meile am Brandenburger Tor, die eigens erweitert worden war.
Mit schwarz-rot-goldenen Fahnen, bunten Hüten oder den Trikots des DFB-Teams und der Squadra Azzurra waren Schlachtenbummler seit dem Nachmittag über die Straßen vieler Städte gezogen. In Dortmund schlenderten Anhänger beider Seiten weit vor dem Anpfiff durch die City. Am Abend irrten noch viele Fußballbegeisterte auf der Suche nach einem Bildschirm durch die Stadt, nachdem zwei Fanfeste in der Innenstadt und die Westfalenhalle als dritter Feierplatz überfüllt waren. Manche hatten für den Knüller weite Wege auf sich genommen. Bereits um 4.30 Uhr war Matthäus Hammerl (62) aus Ried bei Bad Tölz auf die Autobahn gestartet. Mit Kuhglocke und Gamsbarthut zog der Oberbayer durch die Stadt - zunächst noch ohne Eintrittskarte.
Für den immer größer werdenden Andrang hatten sich auch andere Städte gerüstet. In München war erstmals auch die Theresienwiese - das Oktoberfestgelände - Schauplatz einer WM-Übertragung. Für die TV-Übertragung im Frankfurter Stadion gingen binnen Stunden 9000 Tickets weg. In der Main-Arena mit drei Riesenleinwänden wurden rund 80 000 Menschen erwartet. In Hannover rechneten die Macher des Fanfestes mit 60 000 Besuchern - Rekord. In Hamburg kamen schon am frühen Abend 40 000 Fans auf das Heiligengeistfeld. Beim Leipziger Fanfest, das Platz für 20 000 Menschen hat, hieß es eine Stunde vor Anpfiff: Alles voll. Dabei hatten viele Fans nicht nur dort zwei Statistiken im Kopf: Noch nie hat Deutschland bei einer WM gegen Italien gewonnen - aber auch noch nie in Dortmund verloren.
Für Polizei und Hilfskräfte brachte der WM-Klassiker bundesweit erneut einen Großeinsatz: Allein in Berlin sollten 6000 Polizisten für Sicherheit sorgen. Sanitäter riefen Besucher auf, wegen der Hitze ausreichend Nicht-Alkoholisches zu trinken. In der Hauptstadt war die Fanmeile eigens für das Spiel mit zwei zusätzlichen Videowänden über die Siegessäule hinaus erweitert worden. Dies sollte Platz schaffen, um im Tagesverlauf bis zu 900 000 Besucher auf dem Areal mitfeiern lassen zu können. Wegen großen Andrangs wurden dennoch zwei Stunden vor dem Anpfiff Zugänge teilweise geschlossen. Die Kontrolleure waren zudem besonders aufmerksam, nachdem am 2. Juli ein Amokfahrer durch die Absperrung gerast war und 26 Menschen verletzt hatte.
Die italienischen Kicker um Totti, Toni und Co. haben viele Fans in Deutschland, wo rund 500 000 Italiener leben. Mitgezittert wurde unter anderem in Bars der Volkswagenstadt Wolfsburg, die mit 5500 Menschen italienischer Abstammung als größte Italiener-Kolonie in der Bundesrepublik gilt.
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