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Lautsprecher Neururer frühzeitig in Form | 2006-07-05


Hannover - Zu den Leisen der Branche gehörte Peter Neururer nie. Lautsprecher der Liga ist einer der Spitznamen des Fußballlehrers. Vor dem Start der neuen Bundesliga-Saison scheint der Coach von Hannover 96 es besonders darauf anzulegen, seinem Ruf gerecht zu werden.

Keine Gelegenheit ließ er aus, um sich schon mehrere Tage vor dem Trainingsbeginn mit deftigen Worten Gehör zu schaffen. Die Zustände sind katastrophal, sagte er über den eigenen Club. Und DFB-Teammanager Oliver Bierhoff unterstellte er populistische Schwachsinns-Aussagen.

Nach dem Ende der Bundesliga-Saison war es ruhig geworden um Neururer. Auf Rang 13 hatte er Hannover 96 nach der Entlassung von Ewald Lienen am 10. November 2005 übernommen, trieb sein Team mit Aufmunterungen wie Bratwurst, Altin, du Nase oder Muscheltaucher an - und schaffte es nach einem Zwischenhoch auf Platz zwölf im Abschlussklassement.

Platz zwölf passt nach seiner Ansicht aber nicht zu Hannover 96, den er bei seinem Amtsantritt als Club der europäischen Güteklasse A bezeichnet hatte. Deshalb scheint er nun die Flucht nach vorne angetreten zu haben. Er monierte wortgewaltig die Untätigkeit bei der Verpflichtung neuer Spieler. Ein konstruktives Vorgehen ist für mich nicht erkennbar. So etwas habe ich in 20 Jahren noch nicht erlebt, schimpfte Neururer im Fachmagazin Kicker: Mit der Aussicht, um Platz 12, 13 oder 14 zu spielen, hätte ich nicht unterschrieben. Mehr oder weniger unverhohlen drohte er sogar mit Rücktritt: Wenn nicht noch Verstärkungen kommen, dann bin ich der Falsche.

Nur mit Mühe schaffte es der Verein, die Lage halbwegs zu beruhigen. Das Interview war nicht hilfreich, aber auch nicht dramatisch, sagte Manager Ilja Kaenzig. Das passiert regelmäßig in Hannover. Das war bei seinen Vorgängern Rangnick und Lienen ebenso. Nur 96-Vereinschef Götz von Fromberg griff zu Formulierungen von Neururer-Format und schoss zurück: Er redet schneller, als er denkt. Es geht nicht, wenn er ständig in den Medien herumpowert und nicht mit uns redet.

Am Grund für Neururers verbaler Attacke hat sich zum Trainingsauftakt wenig geändert. Nur Szabolcz Huszti ist seit dem Rundumschlag verpflichtet worden. Gemeinsam mit Christoffer Andersson (Lilleström SK), Gunnar Thorvaldsson (Halmstad BK) und Timo Nagy (Wacker Burghausen) bildet der ungarische Nationalspieler vom FC Metz das Quartett der neuen Spieler. Die Rückkehr des früheren 96-Profis Jan Simak nach Hannover ist hingegen geplatzt, so dass Hannover die Vorbereitung ohne den eingeplanten Offensivmann fürs Mittelfeld begonnen hat.

Neururer hatte im Vorfeld aber nicht nur zum eigenen Club eine ungewöhnliche Meinung. Bierhoffs Aufforderung an die Bundesliga, nach dem Beispiel der Nationalmannschaft offensiver spielen zu lassen und verstärkt auf individuelles Training zu setzen, konterte Neururer mit deftigen Worten. Und während Deutschlands Fußballfans mit Trainer Jürgen Klinsmann und seiner Mannschaft mitfieberten, trat Hannovers Coach noch einmal nach und bezeichnete die späte Torwart-Entscheidung als Unverschämtheit und völligen Schwachsinn.


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