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Italien im Fußball-Himmel | 2006-07-10


Rom - Jubelschreie, Feuerwerk und knallende Prosecco-Korken: Italien ist im siebten Fußball-Himmel. Nach dem Zittersieg gegen Frankreich im WM-Finale liefen in vielen Städten jubelnde Menschen mit Freudentränen auf die Straßen, warfen sich ihren Nachbarn in die Arme.

Auf dem Circus Maximus in Rom, wo hunderttausende Tifosi das Spiel auf einer Leinwand verfolgten, stiegen Feuerwerkskörper in den Himmel. Auch in Neapel, Mailand und anderen großen Städten brach am Sonntagabend südländische Euphorie aus.

Siamo noi, siamo noi, (Wir sind es) rief eine junge Römerin. Endlich, endlich, wieder einmal etwas ganz, ganz Großes gewonnen, schwärmte die Tifosa. Kaum war in Berlin der goldene Pokal an die Squadra Azzurra übergeben, fuhren in Rom und anderen Metropolen die ersten hupenden Autokorsos durch die Stadt. Und über allem ging wie bestellt malerisch ein Vollmond auf.

Freudentaumel auch rund um die Piazza Navona in der römischen Altstadt:  Junge Leute tanzten auf den Straßen, andere sangen die Nationalhymne - wieder ander riefen einfach mit heiserer Stimme Italia, Italia. In vielen Bars, wo die Menschen zuvor fiebernd und zitternd vor dem Fernseher saßen, schäumte die Stimmung über. Wir sind die Besten der Welt, wir sind die Besten aller Zeiten, rief ein junger Mann immer wieder.

Schon Stunden vor dem Anpfiff hatte in Rom finale Hochstimmung geherrscht: Wer sich am Sonntagabend im Zentrum der Ewigen Stadt bewegte, tat dies zumeist im azurblauen Trikot. Die meisten Geschäfte blieben geschlossen, reißenden Absatz verbuchten lediglich die Verkäufer der italienischen Nationalflagge - viele Fahnen hatten bereits den begehrten Pokal abgebildet. Auch das übliche Sonntagsabend-Verkehrschaos war diesmal ausgefallen:  Die Menschen waren bereits Stunden zuvor vom Meer zurückgekehrt, um das finale furioso, das große wilde Endspiel, am Fernseher zu erleben.

Euphorie und überschäumende Stimmung herrschte aber auch in den so genannten besseren Wohnvierteln Roms. Oftmals hatten die Menschen Freunde und Verwandte eingeladen, das Spiel wurde in großer Besetzung auf der Terrasse verfolgt. Nach dem Sieg gab es kein Halten mehr. Das ist der schönste Tag, rief ein älterer Mann in den nächtlichen Himmel, während sich auf der Straße Autoschlangen mit Hupkonzert und Fahnen auf den Weg in die City machten.

Selten hatte sich das Land mit solcher Vorfreude auf ein Sport- Event vorbereitet. Viele kulturelle Veranstaltungen, Opernaufführungen und Konzerte wurden kurzfristig abgesagt oder verschoben, viele Restaurants hatten Schilder mit Domenica chiuso (Sonntag geschlossen) in die Türen. Aus Sicherheitsgründen wurde in vielen Städten der Verkauf von alkoholischen Getränken verboten. In Bozen und Cagliari durfte Alkohol nur in Plastikbechern ausgeschenkt werden.

Doch die ganz große Feier steht erst noch bevor: Am Montag, wenn die italienische Nationalmannschaft wieder auf heimischem Boden landet, ist ein Riesenfest im Circus Maximus mit einer Million begeisterten Fans geplant. Dann fahren die Azzurri im Triumphzug mit Open-Air-Bussen quer durch die Stadt. Dass da im Hintergrund noch der schändliche Manipulationsskandal im italienischen Fußball lauert, war in der Nacht des Jubels für ein paar Stunden einfach vergessen.


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