Berlin/Dortmund - Fußball-Deutschland trägt Trauer: Nach der 0:2-Niederlage der Nationalelf gegen Italien im WM-Halbfinale in Dortmund ist der große Traum vom Endspiel geplatzt.
Millionen Schlachtenbummler zogen in der Nacht enttäuscht von den Fanmeilen, nachdem alles Anfeuern und Mitzittern vergebens war. Nach der bitteren Enttäuschung musste die Polizei in einigen Städten meist kleinere Rangeleien schlichten, bei denen es auch zu Festnahmen kam. Die italienischen Fans feierten den Einzug ihres Teams ins Finale in mehreren Städten mit Autokorsos.
Am Spielort Dortmund kam es direkt nach dem Abpfiff zu Handgreiflichkeiten. Etwa etwa 40 Menschen wurden festgesetzt. Wir mussten ein paar Streithähne beruhigen, die ihren Frust austoben wollten, aber es gab keine organisierten Randale, sagte ein Polizeisprecher. Auch in Köln und Gelsenkirchen gab es Scharmützel.
In Stuttgart wurden 13 Menschen vorläufig festgenommen. Vier Fans kamen in Gewahrsam. Ein Polizist wurde von einer Flasche am Kopf verletzt. In Mainz griff die Polizei mit Pfefferspray und Schlagstöcken ein, um eine Gruppe von Deutschen und Italienern zu trennen. In Kaiserslautern trat ein deutscher Fußballfan gegen das Auto eines Italieners. Danach schlug er dessen neun Jahre alten Sohn ins Gesicht und flüchtete.
In Frankfurt/Main wurde ein Deutscher festgenommen, der ebenfalls gegen das Auto eines Italieners getreten hatte. In Anbetracht der Vielzahl der Leute, die das Spiel gesehen haben, sind die Schlägereien aber zu vernachlässigen, sagte ein Polizeisprecher in der Mainmetropole.
In Berlin leerte sich die Fanmeile schnell, auf der eine Million Menschen mitgefiebert hatten. Bis auf kleinere Rangeleien und herbe Sprüche zogen die meisten friedlich davon. In Hamburg und München hielt die Trauer bei zahlreichen Fans nur kurz. Während die Italiener den Einzug ins Finale feierten, überwog bei vielen Deutschen am Ende doch die Freude über das insgesamt gute Abschneiden der Klinsmann- Elf. Beim Autokorso flatterten Flaggen beider Länder nebeneinander.
In Dortmund verzögerte sich für einige tausend Fußball-Fans die Heimfahrt nach dem Halbfinalspiel. Wegen des enormen Andranges sperrte die Polizei in der Nacht mehrmals den Hauptbahnhof. Wir wollen nach Hause fahren, sangen viele Fans und drängelten sich vor den Portalen.
Zum WM-Klassiker Deutschland-Italien hatten die Fanfeste einen Riesenansturm erlebt. Vielerorts waren die Kapazitäten erweitert worden. Viele Fußball-Anhänger richteten ihren Blick nach dem ersten Schock schon nach vorn. Stuttgart ist viel schöner als Berlin, skandierten deutsche Fans. In der Schwaben-Metropole spielt die Nationalelf nach der Niederlage von Dortmund am 8. Juli um Platz drei.
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