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Notizen von der Fußball-WM | 2006-07-05


UNERBETENE EHRE: Dem Stuttgarter Stadionrasen kommt eine ungebetene Ehre zu. Eigentlich wollte ich nicht, dass die Deutschen auf meinem Rasen spielen. Schade, sagte Jens Oppenländer, Greenkeeper im WM-Stadion.

Am 8. Juli spielt das deutsche Team dort um den dritten Platz. Aber am Dienstag war an der Niederlage ausnahmsweise nicht der Rasen schuld, sondern die Zeit, sagte Oppenländer in Anspielung auf häufige Klagen von Fußballspielern nach Niederlagen über das Grün in den Stadien.

TROSTPFLASTER EINS: Einen Tag nach der Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Italien (0:2) und dem verpassten Einzug ins WM-Finale hat der Privatsender Antenne Bayern einen Trostpflaster- Laster in Marsch gesetzt. Bei Stationen in Augsburg, Nürnberg, Passau und Kempten würden tausende schwarz-rot-goldener Trostpflaster verteilt, teilte der Sender am Mittwoch an seinem Sitz in Ismaning bei München mit.

TROSTPFLASTER ZWEI: Auch aus dem eigenen Geburtsort hat Bundestrainer Jürgen Klinsmann nach der bitteren 0:2-Niederlage gegen Italien Zuspruch erhalten. Für uns sind Sie ein Beispiel typisch schwäbischen Fleißes, der sich immer wieder zeigt, wenn man auf geradem Weg ein Ziel erreichen will, schrieb Göppingens Oberbürgermeister Guido Till (SPD) in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief an den Sohn der Stadt. Klinsmann wurde am 30. Juli 1964 in Göppingen geboren. Die Stadtväter und -mütter sind nun einhellig dafür, dass der Bundestrainer im Amt bleibt.

LUFT IST RAUS: Zur Niederlage für Deutschlands Fußballer im Halbfinale gibt es ein erstes Kunstwerk: Bad Luck - die Luft ist raus nennt der Kieler Bernhard Schwichtenberg sein Materialbild mit Trauerrand. Es zeigt einen plattgefahrenen WM-Ball mit der Schrift Germany. Der Ball wurde auf Pappe montiert, mit 15 Gramm leichtem Japan-Papier überzogen und eine Woche lang in einer Buchbinderpresse fixiert. Da alle von Fußball reden, machen sich auch Künstler Gedanken über einen Beitrag, und da kam ich auf diesen Ball.

SCHLAUBERGER: Die wissenschaftliche Durchdringung des Fußballsport hat zur WM immer gigantischere Ausmaße und mitunter auch schwer nachzuvollziehende Züge angenommen. Das Marketinginstitut Octagon will bei einer Studie über die Leidenschaft von Fußballfans herausgefunden haben, dass Franzosen im Vergleich zu den deutschen und englischen Fans eher Anhänger des Sports als solchem sind. In China hingegeben treibe die Fans die Liebe zum Spiel an sich, und in Südafrika die Gelegenheit, soziale Kontakte zu knüpfen. Überraschend vielleicht auch, dass den Franzosen der Ausgang von Spielen vergleichsweise gleichgültig sei.

LOB AUS SCHWEDEN: Auch aus Schweden - dem Land mit der bislang härtesten Kritik an der WM als El Dorado für Geschäfte mit Zwangsprostitution und Frauenhandel - ist jetzt Entwarnung gekommen. Die WM ist das bislang erfolgreichste Großereignis, bei dem vorbeugende Maßnahmen durchgeführt wurden und funktioniert haben, sagte Frederic Larsson von der in Stockholm angesiedelten Internationalen Organisation für Migration. Schwedens Justiz- Ombudsmann Claes Borgström hatte offiziell einen Boykott des Turniers durch das skandinavische Land gefordert, weil man bis zu 40 000 zusätzliche Opfer von Zwangsprostitution befürchten müsse.

GUTER ZWECK: Lebensgroße Pappbilder der deutschen Fußball- Nationalspieler werden für einen guten Zweck versteigert. In einem Internet-Auktions-Haus (www.ebay.de) können Fans die mit Autogrammen signierten Pappkameraden kaufen. Die Einnahmen aus der sieben bis zehn Tage laufenden Internetversteigerung sollen dem Berliner Behandlungszentrum für Folteropfer zu Gute kommen.

KURANYI & CO.: Die WM ist für die nominierten Spieler in wenigen Tagen zu Ende, und auch die Bilder der ausgemusterten Akteure werden dann weggepackt. Im DFB-Medienzentrum zieren auch die Konterfeis von Fabian Ernst, Kevin Kuranyi, Patrick Owomoyela, Andreas Hinkel und Lukas Sinkiewicz die Tafeln verschiedener Sponsoren. Am Wochenende werden auch sie abgebaut.

HÖRFEHLER: Plötzlich schaute DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfeld erstaunt in die Runde. Der 73-Jährige hatte angeblich die Frage, ob der DFB Bundestrainer Jürgen Klinsmann in Zeiten der Kritik nicht genug den Rücken gestärkt hätte, nicht verstanden, und erkundigte sich deshalb bei DFB-Medienchef Harald Stenger, der ihm genau diesen Wortlaut sagte. Dann hab ich schon richtig verstanden, ich hab nur nicht gedacht, dass die Frage so gestellt werden kann, rüffelte Mayer-Vorfelder den Fragesteller.


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