Berlin - Danke für den tollen Fußball, den Ihr uns zeigt, heißt es am Mittwochmorgen auf einem Transparent, das vor dem WM- Hauptquartier der deutschen Nationalelf in Berlin hängt.
Ihr seid die Schönsten, die Größten, die Schlausten - am Tag nach der Niederlage von Dortmund zeigen die Deutschland-Fans in der bittersten Stunde ihre Treue zum Team von Jürgen Klinsmann.
Noch bis Mittwochfrüh hatten rund hundert Anhänger vor der Nobelherberge im Villenbezirk Grunewald ausgeharrt und die Mannschaft bei ihrer Rückkehr nach dem bitteren 0:2 im Halbfinale gegen Italien lautstark empfangen. Am Morgen danach waren aber Schmerz und Enttäuschung über den geplatzten Traum vom vierten Weltmeister-Titel bei vielen Fans noch deutlich zu spüren.
Schade, dass wir immer gegen Italien ausscheiden, sagte Reinhard Dühnen, der eigens von Nortrup bei Osnabrück nach Berlin gekommen war, um auf der Fanmeile am Brandenburger Tor mit Hunderttausenden zu zittern. Und Stefan Bernoth, der im WM-Fieber mit seiner Frau und dem sechsjährigen Sohn aus Bielefeld angereist war, wollte sich die Stimmung nicht trüben lassen und die Spieler hautnah erleben. Wir wollen unsere Helden sehen - jetzt erst recht.
Trotz des strahlend blauen Himmels und der aufgekratzten Stimmung war die Gemütslage am Hauptquartier der Deutschen gedämpft. Nur die Ersatzkeeper Oliver Kahn und Timo Hildebrand sowie Team-Manager Oliver Bierhoff ließen sich bis zu den Mittagsstunden kurz blicken - und fuhren in dunklen Autos mit getönten Scheiben wortlos und schnell davon. Die anderen Spieler ruhten im Hotelgarten auf Liegestühlen, entspannten sich bei hochsommerlichen Temperaturen.
Seit dem Einzug der Klinsmann-Elf in die Brahmsstraße 10 am 5. Juni war das feine Hotel eine der ersten Adressen in Deutschland. Tage- und nächtelang hielten sich viele vor dem Tor auf, um wenigstens einen Blick auf Ballack und die anderen Nationalspieler erhaschen zu können. Die ganz Glücklichen kehrten mit Autogrammen nach Hause. Und wer nicht in den Grunewald kommen konnte, bekundete seine Treue aus der Ferne: Mindestens einen Kiste Fanbriefe erhielten die Spieler täglich, sagte der Postbote.
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