Berlin - Vor dem Urteil kommt der Vorteil, dem Fall nach dem Foul muss nicht sofort der Pfiff folgen. Die Wege des Balles auf dem WM-Rasen sind manchmal so unergründlich, dass der Schiedsrichter bis zu drei Sekunden mit seiner Entscheidung warten darf.
Eine voreilige Unterbrechung kann ansonsten auch zur Strafe für die ballführende Mannschaft ausarten und den Sünder noch belohnen. Wäre es bei der WM 1978 nicht schön gewesen, der Schiedsrichter hätte gepfiffen, als der deutsche Vorstopper Rolf Rüssmann gegen die Niederlande als Hilfstorwart per Hand klären wollte? Doch der Referee aus Uruguay ließ dem Unheil seinen Lauf, und der Ball flog kurz vor Ende trotz der Parade zum 2:2 ins Tor. Kein Elfmeter, keine kleine Chance für Keeper Sepp Maier, den Sieg festzuhalten. Vom folgenden deutschen Spiel schwärmen sie heute noch - aber in Österreich.
Vorteil ist ein bisschen wie Roulette: Mit etwas Glück wird der Unparteiische mit einer dicken Belobigung belohnt, mit zu langem Abwarten kann er sich verzocken. Für den Schiedsrichter ist ein Tor nach einem Vorteil beinahe so, als hätte er selbst getroffen. Jubel auf offenem Feld verbietet sich natürlich.