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Kampfansage: Portugal will Deutschland schlagen | 2006-07-06


München - Nie hat sich Fernando Meira weniger gewünscht in seine Wahlheimat zurückzukehren - doch der Frust über den geplatzten Final-Traum und der Ärger über den Schiedsrichter wich beim portugiesischen Profi des VfB Stuttgart schnell den Kampfansagen an die deutsche Nationalmannschaft.

Natürlich bin ich sehr traurig. Aber jetzt wollen wir wenigstens Dritter werden, kündigte Meira vor dem Duell der Enttäuschten am 8. Juli in der baden- württembergischen Landeshauptstadt gegen den WM-Gastgeber an. Nun wollen wir Deutschland bezwingen, stimmte Coach Luis Felipe Scolari mit ein, dessen Erfolgsserie mit der Seleccao nach 19 Spielen ohne Niederlage gegen Frankreich mit dem 0:1 in München riss. Meine Frustration hält ein paar Stunden an. Dann bin ich bereit.

Der ganz große historische Coup blieb Scolari verwehrt, nachdem er vor vier Jahren mit seinen brasilianischen Landsleuten den Titel im Finale gegen Deutschland geholt hatte. Einen Grund für das vorzeitige Aus hatte er rasch ausgemacht: Referee Jorge Larrionda. Wir wissen, wie südamerikanische Schiedsrichter ein Spiel killen können, argwöhnte Scolari, nachdem der Unparteiische aus Uruguay den entscheidenden Strafstoß gegen den Vize-Europameister gepfiffen hatte. Ein Foul gegen Cristiano Ronaldo habe er indes nicht erkannt. Der Schiedsrichter hat nicht den richtigen Maßstab angelegt, kritisierte Keeper Ricardo, der bei Zinedine Zidanes Elfmetertor (33.) machtlos war. Zuvor hatte Ricardo Carvalho Frankreichs Thierry Henry zu Fall gebracht.

Der Pfiff und das anschließende Tor des Tages stürzten nicht nur die Spieler in ein Jammertal. In Lissabon schlugen die Fans die Hände vors Gesicht und wollten es nicht glauben, nachdem die Seleccao schon vor zwei Jahren im EM-Finale im eigenen Land an Griechenland gescheitert war. Tröstende Worte fand in der Stunde des Schmerzes Premierminister José Socrates: Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft.

Die Zeitung A Bola forderte in Anlehnung an argentinische Leidensfähigkeiten: Weine nicht, Portugal. So wie auch Spieler und Trainer sich nicht als das schlechtere Team wähnten, sah es auch das Jornal de Noticias: Portugal hatte mehr verdient, aber es hat das Quäntchen Glück gefehlt, schrieb das Blatt und meinte pathetisch: Das große Herz der Portugiesen hat nicht ausgereicht gegen die Kälte der Franzosen, die aus dem Halbfinale eine rein taktische Übung gemacht haben.

Allerdings waren die Portugiesen, die Frankreich größere Probleme bereitet haben als Brasilien (Trainer Raymond Domenech) auch nicht in der Lage, ihre Torchancen gegen einen unsicher wirkenden Keeper Fabien Barthez zu verwerten. Wir haben alles getan, um das Finale zu erreichen, meinte Kapitän Luis Figo, der das Duell der Giganten gegen Zidane klar verlor und ohne Titel seine Karriere in der Nationalmannschaft nach dieser WM beenden muss. Dieses Resultat trübt aber nicht im Geringsten unsere Leistung bei dieser WM. Ich bin stolz darauf, Teil dieser Mannschaft zu sein und mit der Nationalmannschaft Geschichte geschrieben zu haben, meinte er, nachdem Portugal das erste Mal nach 40 Jahren wieder in die Runde der besten Vier eingezogen war.

Mit einer neuerlichen Niederlage gegen Deutschland will sich Figo auf keinen Fall verabschieden, auch wenn der gelb-gesperrte Innenverteidiger Roberto Carvalho und möglicherweise auch Nebenmann Miguel fehlen. Der rechte Verteidiger verdrehte sich gegen Frankreich das Knie. Sein Einsatz sei ungewiss, meinte Scolari.

Figo kennt dennoch nur ein Ziel. Jetzt müssen wir nach vorne schauen. Die WM ist noch nicht vorbei. Und Mittelfeldspieler Deco, der gegen Frankreich nach seiner Rückkehr wegen einer Gelbsperre nie ins Spiel fand, fügte kämpferisch hinzu: Wir haben unseren Stolz nicht verloren. Für alle unsere Fans müssen wir noch einmal unser Bestes geben. Nicht zuletzt, um Mitspieler Meira die bittere Rückkehr an seine tägliche Arbeitsstätte ein wenig zu versüßen.

Scolari muss allerdings seine Abwehr möglicherweise auf zwei Positionen umstellen. So bangt er um den Einsatz seines Rechts-Verteidigers Miguel (FC Valencia), der sich im Spiel gegen Frankreich das Knie verdreht hatte und vorzeitig ausgewechselt wurden musste. Es sei ungewiss, ob Miguel spielen könne, meinte Scolari. Innenverteidiger Ricardo Carvalho (FC Chelsea) muss er wegen einer Gelbsperre ersetzen.


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