Berlin - Der Deutsche Fußball-Bund rollt Jürgen Klinsmann für eine mögliche Vertragsverlängerung den roten Teppich aus. Der DFB kann sich Klinsmann leisten, sagte Heinrich Schmidhuber, Schatzmeister des Verbandes, in einem Interview mit der Münchner Abendzeitung.
Auch auf Klinsmanns Bedingungen, weiter mit seinem kompletten Stab arbeiten zu wollen, oder sogar neue Forderungen sei der DFB eingestellt. Wenn er weitermachen will, wird es am Geld nicht scheitern, betonte Schmidhuber, der noch vor der Weltmeisterschaft auf die enormen Kosten des WM-Projekts Klinsmann hingewiesen hatte. Ich habe nie gesagt, dass wir wegen Klinsmann sparen müssen. Es ist eine Frage, wie man die Prioritäten setzt, sagte Schmidhuber jetzt. Die Nationalmannschaft ist und bleibt unser Aushängeschild, das hat sie jetzt ja wieder bewiesen. Und das werden wir uns auch zukünftig etwas kosten lassen, versprach Schmidhuber und schloss klar an: Für Klinsmann ist Geld da.
Der DFB ist auch bereit, darauf zu warten, wie Klinsmann sich erklärt. Präsident Theo Zwanziger wird dem Bundestrainer keinerlei zeitlichen Druck bei der Entscheidung über seine Zukunft auferlegen. Er braucht jetzt wirklich mal ein paar Tage; ob das jetzt acht oder 14 Tage oder drei, vier Wochen sind, ist völlig egal, sagte der Geschäftsführende DFB-Präsident in einem kicker-Interview. Das erste Länderspiel nach der Weltmeisterschaft findet in einem guten Monat am 16. August in Gelsenkirchen gegen Schweden statt. Der Zeitpunkt für Gespräche müsste dann vom Bundestrainer ausgehen. Ich werde ihn da nicht bedrängen. Weil ich nichts machen will, was die Chance schmälert, dass er Bundestrainer bleibt. Klinsmann will sich in ein Urlaubs-Quartier in Europa zurückziehen.
Für Zwanziger bleibt die optimale Lösung das derzeitige Gespann mit Klinsmann als Chefcoach und Joachim Löw als Co-Trainer. Löws Rolle ist sehr wichtig, sagte der DFB-Chef über Klinsmanns Assistenten. Über mögliche Plan-B-Lösungen, bei denen auch Löw eine Rolle als Chef spielt, will sich Zwanziger noch nicht intensiv beschäftigen. Ich weiß, dass wir Lösungen haben, wenn es denn wirklich gar nicht geht. Aber ich zerbreche mir im Moment nicht den Kopf über eine Reihe von Ersatzlösungen.
Schatzmeister Schmidhuber weiß natürlich auch, dass Klinsmann mit dem WM-Schwung sowie dem riesigen Zuspruch von Fans und Experten im Rücken, mit besten Voraussetzungen in Vertragsgespräche mit dem DFB gehen könnte: Er ist in einer wirklich guten Position. Auf der anderen Seite rechnet Schmidhuber für die Zukunft mit mehr Einnahmen: Die Vermarktung der Nationalmannschaft wird nach dieser WM leichter werden. Wir haben viel Werbung für den Fußball in Deutschland getrieben. Ich gehe davon aus, dass wir für Sponsoren interessanter werden.
Schon jetzt deckt der DFB rund 80 Prozent seines Etats aus Einnahmen, die mit der Nationalmannschaft in Zusammenhang stehen. Wie viel Geld für den Verband durch den Auftritt seiner Vorzeige-Mannschaft bei der Heim-WM hängen bleibt, wird erst die Abrechnung nach dem Turnier zeigen. Der Gewinn aus den letzten beiden Turnieren, der WM 2002 und der EM 2004, lag jeweils bei zwei bis drei Millionen Euro. Die WM-Mission von Klinsmann soll den DFB rund elf Millionen Euro pro Jahr gekostet haben. Mit Geldern wie vor acht oder zehn Jahren ist es sicher nicht mehr zu vergleichen, sagte Schmidhuber zu den DFB-Aufwendungen für Trainer- und Betreuerstab der Nationalelf.
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