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Zidane und Co. schirmen sich ab | 2006-07-06


Hameln - In Champagner-Laune ist die Equipe Tricolore nur in ihrer noblen Festung. Im Schlosshotel Münchhausen im niedersächsischen Aerzen bei Hameln schirmt sich Frankreichs Nationalmannschaft hermetisch ab. Stars zum Anfassen sind die WM-Finalisten nicht.

In Aerzen und im benachbarten Hameln hat sich die Mannschaft bisher kaum blicken lassen. Französische Fanmassen sind in der Rattenfänger-Stadt Hameln, in der das Team seine Pressekonferenzen abhalten, eine unerfüllte Hoffnung geblieben. Wir hatten uns mehr Touristen aus Frankreich erhofft, sagt Marketingsprecher Frank Lücke.

Auch Ulrich Steubner ist ein wenig enttäuscht. Er steht mit einem alten, in den französischen Farben blau-weiß-rot angestrichenen Citroën-Wellblechbus in der Altstadt, verkauft Crepes und Flammkuchen und serviert an kleinen Holztischen französischen Milchkaffee. Das Geschäft ist durchwachsen, sagt er. Hier spürt man leider keine Frankreich-Euphorie. Dabei sei er extra für die WM in die Herbergs- Stadt der französischen Nationalelf gekommen.

In den Schaufenstern der Geschäfte liegen vor allem schwarz-rot- goldene Fahnen - blau-weiß-rot hängt lediglich vereinzelt an den pittoresken Fachwerkhäusern der Altstadt. Wir haben salomonisch beide Fahnen rausgehängt, sagt Gabriele Baß vom Museumscafé. Das Interieur ist mit französischen Girlanden und etwa ein Meter hohen Papp-Eiffeltürmen geschmückt. Sogar eine französische Speisekarte habe sie zur WM kreiert, sagt Baß. Wir wollen uns als guter Gastgeber erweisen. Bislang jedoch haben nur wenige Franzosen von dieser Karte bestellt.

Eine Fahnenverkäuferin in der Altstadt muss extra ihre Verkaufsliste holen, um zu schauen, wie viele Frankreich-Fahnen sie verkauft hat: Nur wenige. In Aerzen, etwa zehn Kilometer von Hameln entfernt, ist die französische Mannschaft eigentlich ganz nah - hier liegt, abgeschieden zwischen Feldern und wenigen Bauernhäusern, das Quartier der Equipe Tricolore. Von französischer Lebensart ist in dem Ort aber genau so wenig zu spüren wie in Hameln. Die Mannschaft bleibt überwiegend im Hotel und trainiert am liebsten nicht-öffentlich.

Das ist aus Fan-Sicht natürlich schade, sagt WM-Organisator Andreas Wittrock von der Gemeindeverwaltung. Aus sportlicher Sicht sei das aber nachvollziehbar. Die Franzosen haben sich hauptsächlich auf die Spiele vorbereitet. Der Erfolg gibt ihnen Recht.

Mit 10 000 französischen Dauer-Fans hatte der 12 000-Einwohner-Ort Aerzen vor der WM gerechnet - diese Prognose hatte der französische Fußballverband gestellt. In Wirklichkeit tummelten sich aber nicht mehr als ein paar hundert Anhänger der Franzosen in der Quartier- Gemeinde. Auch vor dem Hotel blieb es ruhig.

In dem historischen Renaissance-Schloss, umgeben von einem Wassergraben, einer riesigen Parkanlage und gepflegten Golfplätzen, wird das Team als absolut pflegeleicht beschrieben. Hoteldirektor Karsten Wierig ist von seinen Gästen mehr als angetan. Die Franzosen haben überhaupt keine Star-Allüren. Die Truppe von Nationaltrainer Raymond Domenech mache einen sehr disziplinierten, konzentrierten und motivierten Eindruck. Seit der Ankunft vor vier Wochen habe man gespürt, wie die Mannschaft zusammengerückt sei. Der Teamgeist ist immer mehr geweckt worden.


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