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Viel Lob für WM-Einsatz der Polizei | 2006-07-07


Berlin - Die Einsatz-Szenarien gegen prügelnde Hooligans, massenhafte Zwangsprostitution und Taschendiebe bei der WM sind überwiegend in der Schublade geblieben. Negative Erwartungen wurden weggespült in einer riesigen Fußball-Dauerparty, die niemand so vorhergesehen hatte.

Wir haben in wunderbarer Weise erlebt, dass Fröhlichkeit und Sicherheit nicht Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig bedingen, sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) kurz vor dem Finale. Selbst nach dem zerplatzten Traum vom Einzug der Klinsmann-Elf ins WM-Finale schlug die Enttäuschung von Millionen nicht massenhaft in Gewalt um.

So viel Lob von allen Seiten für Polizei und Sicherheitskräfte war selten. Sie haben nach Einschätzung des Innenministers entscheidend zum Gelingen der WM beigetragen. Das bescheinigt auch die Koordinationsstelle Fan-Projekte in Frankfurt und sieht als eine Erklärung: Die Fans wurden als elementarer Bestandteil und nicht als Sicherheitsrisiko der WM betrachtet. Den Fußballfans sei auf allen Ebenen mit Respekt begegnet worden.

Ein Beweis für professionelles Handeln ist wohl auch, dass inzwischen Österreich zur Fußball-Europameisterschaft 2008 mit der Schweiz das deutsche WM-Sicherheitskonzept weitgehend übernehmen will. Besonders gut sei die Präventionsarbeit der Polizei, meint der Leiter des österreichischen Sicherheitsprojektes 08, Günther Marek. Auch Österreich wolle auf freundliche Beamte setzen, die möglichst wenig präsent seien.

Die Fan-Betreuer beschreiben die Polizei mit den Worten: präsent, kommunikativ, freundlich. Nun sei die Hoffnung, dass die Behörden die Erfahrungen auch im Liga-Alltag nutzten. Anerkannt wird allerorten, dass die vielen Überstunden, der über Wochen dauernde größte Polizeieinsatz gut weggesteckt wurde. Die befürchtete WM der Sicherheitskräfte blieb aus, stattdessen ließen sich Polizisten Arm in Arm mit Fans auf den Fanmeilen fotografieren. Die Belastung für die Beamten sei zwar enorm, aber die positive Grundstimmung der WM und auch gegenüber der Polizei habe einfach gut getan, ist zu hören.

Berlins Innensenator Ehrhart Körting zeigt sich zufrieden: Die fast südländische Ausgelassenheit der Fans habe dazu geführt, dass es keine Chance für Hooligans und Krawallmacher gab. Alles, was gefährlich werden konnte, haben wir vorher weggefischt, sagt der SPD-Politiker zu dem zwischen Bund und Ländern abgestimmten und lange vorbereiteten Sicherheitskonzept. Die Amokfahrt eines Autofahrers auf der bundesweit größten Fanmeile am Brandenburger Tor, bei der 26 Menschen verletzt wurden, lasse sich auf keinem Volksfest der Welt ausschließen.

Am Finaltag wird es in Berlin den größten Polizeieinsatz während der WM geben. Das Konzept werde bis Sonntagnacht durchgezogen, denn wir wollen doch nicht auf der Zielgeraden noch ins Stolpern kommen. Körting hat noch einen anderen Grund für das Gelingen der WM ausgemacht: Ein großer Teil der Friedfertigkeit ist darauf zurückzuführen, dass Fußball Frauensache geworden ist. Sie hätten durch ihr fröhliches Mitfeiern mögliche Aggressivität der Männer begraben. Solche Fröhlichkeit lasse sich bei der Sicherheitsplanung nicht kalkulieren. Sie hat uns ungeplant das Leben leichter gemacht.

Hingegen stehen die Rechtsextremisten deutlich im Abseits. Ihre Pläne, die WM für ihre Propaganda zu nutzen, seien am offenen Klima und am unverkrampften Patriotismus der Millionen Schlachtenbummler gescheitert, sagt der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Ingo Wolf (FDP). Zudem habe die enge Zusammenarbeit mit szenekundigen Polizisten aus dem In- und Ausland einen schnellen Zugriff auf Hooligans ermöglicht.

Und als Uniformierte in Dortmund am Rande des Spiels Deutschland-Polen hart gegen randalierende Hooligans vorgingen, bescheinigte selbst die kritische Gewerkschaft der Polizei den Beamten einen umsichtigen Einsatz trotz des großen Gewaltpotenzials. Überall zeigte sich, dass die Zahl der Festnahmen von Störern angesichts der Massen eher gering waren.

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Günther Beckstein (CSU), meint, das Sicherheitskonzept habe sich optimal bewährt. Es habe weder Probleme mit allgemeiner Kriminalität noch Besonderheiten im Zusammenhang mit Terrorismus gegeben, sagt der CSU-Politiker, der zugleich bayerischer Innenminister ist. Schöner Nebeneffekt für den Minister: Er habe ursprünglich befürchtet, wegen Sicherheitsproblemen nichts von den Spielen mitzubekommen. Aber dadurch, dass es so locker abgelaufen ist, habe ich wunderbare Spiele miterlebt.


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