Hannover - Auch für den Mann am Mikro ist ein Traum geplatzt. Nichts hätte sich Endspiel-Kommentator Reinhold Beckmann mehr gewünscht als ein Finale mit der deutschen Mannschaft.
Noch den ganzen Mittwoch war ich ziemlich fertig, gestand der ARD-Reporter. Ihm erging es nach der Niederlage der Klinsmann-Elf im WM- Halbfinale wie Millionen anderer Fans. Doch aus der Enttäuschung ist inzwischen ein anderes Gefühl geworden. Es überwiegt die Freude über die großartige Leistung des DFB-Teams. Klar hätte ich lieber die deutsche Mannschaft im Finale begleitet, aber ein europäischer Klassiker wie Italien gegen Frankreich ist für jeden Kommentator auch eine große Ehre, sagte Beckmann der dpa.
Der aus dem niedersächsischen Twistringen stammende Fernseh- Moderator ist der neunte Endspielreporter von ARD/ZDF seit 1954. Seine Nominierung stand bereits im März fest, als sein Mitbewerber Gerd Rubenbauer - er saß 1990 beim WM-Finale in Rom am Mikrofon - unter beträchtlichem Mediengetöse seinen Hut aus dem Ring nahm. Für einen Kommentator ist so ein Spiel natürlich ein ganz außergewöhnliches Ereignis. Zumal die WM in Deutschland stattfindet und wir uns als weltoffene Gastgeber gezeigt haben, erläuterte Beckmann die Bedeutung des Finales.
Der 50-jährige TV-Mann, dessen eigene Promi-Talkrunde während der WM Sommerpause macht, und sein ZDF-Kollege Béla Réthy haben bei diversen Umfragen über die Reporterleistungen die besten Noten erhalten. Eine spezielle Vorbereitung für das Finale gibt es für ihn nicht. Die beiden Finalisten habe ich nicht erst seit dem WM- Turnier sehr genau verfolgt. Der Unterschied besteht nur darin, dass ich mich diesmal auch auf eine Siegesfeier und die Abschlussfeier einstellen muss, sagte Beckmann, der während des Sprechens das Trinken nicht vergessen will: Aber es gilt die alte Regel, immer schön strategisch trinken. Der Weg zur nächsten Toilette kann verdammt weit sein.
Wie bei anderen Länderspielen sitzt auch am Sonntag in Berlin ein Helfer an der Seite des TV-Kommentators. In meinem Fall ist es mein langjähriger Assistent und HSV-Fan Felix Meffert, berichtete Beckmann, der Vereinsmitglied beim FC St. Pauli ist. Einen fußballerischen Leckerbissen erwartet er beim Finale nicht unbedingt: Wahrscheinlich werden die Italiener und Franzosen wieder sehr kontrolliert spielen, sich belauern und auf den einen Fehler des Gegners warten. Immerhin wird es das letzte Länderspiel von Zinedine Zidane, schon das allein ist eine besondere Angelegenheit.
Die junge deutsche Mannschaft, die sich so mitreißend in die Herzen der Fans, gespielt hat, bedachte Beckmann mit einem Sonderlob. Deutscher Fußball als internationaler Sympathieträger, das ist doch eine tolle neue Entwicklung, sagte der Sportreporter. Spekulationen, das WM-Finale würde sein letztes Länderspiel als ARD- Kommentator sein, erteilte er eine Absage. Sicher nicht. Diese letzten vier Wochen waren auch für mich so etwas wie ein rauschhaftes Fußballerlebnis. Ich habe eine Menge dazu gelernt und freue mich darauf, wie sich der Fußball in naher Zukunft weiterentwickeln wird.
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