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Italo-Harakiri gegen tapfere US-Boys endet 1:1 | 2006-06-18


Kaiserslautern - Der Triumphmarsch aus Aida war eigentlich für Italiens Achtelfinalfeier gedacht. Als Verdis Opernklassiker das Fritz-Walter-Stadion erbeben ließ, jubelten nach dem turbulentesten und härtesten Spiel dieser Weltmeisterschaft aber die tapferen Amerikaner.

Die schwachen Italiener schlichen in die Kabinen, um sich nach einem blamablen 1:1 gegen die USA die Standpauke ihres Trainers anzuhören. Ich bin enttäuscht und wütend, schimpfte Marcello Lippi nach dem unerwarteten Harakiri seiner Azzurri: Mit Cristian Zaccardos Eigentor, Daniele De Rossis Platzverweis und einer 43 Minuten lang nicht genutzten Überzahl verspielte Italien den vorzeitigen Achtelfinal-Einzug, brachte die US-Boys ins Turnier zurück und steht nun gegen Tschechien vor einem echten Endspiel.

Jetzt beginnt unsere WM, versuchte Lippi seine Spieler für das Spiel gegen Tschechien in Hamburg wachzurütteln. Vergeblich hatte der 58-Jährige seine nach dem 2:0-Auftaktsieg gegen Ghana müden Azzurri nach vorne getrieben. Das war nicht unser Tag, klagte Lippi, der zu viel Nervosität und zu viele Fehler sah. US-Trainer Bruce Arena dagegen war stolz auf seine fantastische Mannschaft, die in Unterzahl unglaublich zusammengehalten habe. Neben ihrem letzten Gruppengegner Ghana sowie Italien und Tschechien haben auch die USA noch Chancen auf die nächste Runde.

Die knüppelhart einsteigenden Amerikaner rissen den hochgelobten dreimaligen Weltmeister vor 46 000 Zuschauern auf dem Betzenberg jäh aus den voreiligen Titelträumen. Italiens Kopfballtor durch Alberto Gilardino (22.) auf Vorlage des herausragenden Regisseurs Andrea Pirlo war ein Glückstreffer. Aber anstatt die Geschenke zu nutzen, macht sich Italien das Leben selbst schwer, klagte die La Stampa. So etwas ist mir noch nie passiert, entschuldigte sich Zaccardo für sein Eigentor (27.). Noch untröstlicher war De Rossi nach seinem brutalen Ellenbogencheck (28.) gegen Brian Mc Bride.

Ich bin wie immer zum Ball gegangen und wollte ihn nicht verletzen, entschuldigte sich der Römer. Die erhoffte milde Strafe ist bei seinem Vorstrafenregister mit elf gelben und einer roten Karte in der vergangenen Saison sowie einem brutalen Foul im WM- Testspiel gegen die Schweiz aber unwahrscheinlich. Wir reden unter vier Augen, kündigte Lippi an, ließ De Rossi dann aber lieber noch ein bisschen im eigenen Saft schmoren, wie er meinte. Dem Team gab er am Sonntag überraschend frei und damit Gelegenheit zum Nachdenken. De Rossi warf Lippis Konzept über den Haufen: Für den in Unterzahl zu defensivschwachen Spielmacher Francesco Totti musste er Kämpfer Gennaro Gattuso bringen. Doch Fortuna eilte den Italienern wieder zu Hilfe, als Pablo Mastroeni (44.) und Eddie Pope (47.) zu recht vom Platz flogen. Drei Platzverweise in einem Spiel hatte es zuvor erst drei Mal bei Weltmeisterschaften gegeben.

Ich hatte schon erwartet, dass der Schiedsrichter sich gezwungen fühlen würde, nach dem Platzverweis für Italien wieder für Ausgleich zu sorgen, unterstellte Arena Schiedsrichter Larrionda laut La Gazzetta dello Sport. Den Italienern warf er Theatralik vor. Lippi konterte Arenas Nachtreten nicht und beteiligte sich nach dem mit zwei Roten, einer Gelb-Roten und vier Gelben Karten buntesten Spiel dieser WM auch nicht an der Schiedsrichterschelte. Dass sein Team nicht einmal in Überzahl seine eigentliche Klasse bewies, ärgerte ihn viel mehr.


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