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Klinsmann grüßt Kabul - Soldaten fiebern mit | 2006-06-19


Berlin - Bettlaken dienen als Großleinwände, mitgefiebert wird bei 30 Grad im Tarnanzug unter freiem Himmel - und am Montag gab es für deutsche Soldaten in Afghanistan den Bundestrainer sogar live. 

Jürgen Klinsmann war von der täglichen Pressekonferenz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Berlin per Satellit in das Bundeswehr-Lager in Kabul zugeschaltet. Es ist schön, sich für ein paar Momente mit unseren Freunden in Kabul zu unterhalten. Es ist schön, einen Gruß da raus zu schicken, sagte Klinsmann.

Fünf Soldaten durften dem Bundestrainer live sogar Fragen stellen, doch die allererste Frage hatte Klinsmann selbst. Wie geht es Euch da und wie lange seid Ihr schon weg von Euren Familien?, erkundigte sich der 41-Jährige. Die Masse dreieinhalb Monate, entgegnete Stabsfeldwebel Thomas Kassat; viel länger als die deutschen Fußball- Nationalspieler beim Unternehmen WM-Titel - wenngleich unter völlig anderen Bedingungen. Also können wir uns nicht beschweren, meinte Klinsmann schmunzelnd.

Die Auftritte von Michael Ballack & Co haben nicht nur Fußball-Deutschland verzückt, sondern auch bei Deutschen in aller Welt für Euphorie gesorgt. Selbstverständlich sehen wir mit Deutschland- Fahnen die Spiele, singen die Nationalhymne mit, wie sich das gehört, und das eine oder andere Bier ist zeitlich begrenzt auch erlaubt, verriet der 48 Jahre alte Spieß Kassat. Viele von uns sind Fußball-Verrückte und wären sicher auch im Stadion. Aber nun drücken wir 5000 Kilometer entfernt die Daumen.

Für die Fußball-Fans unter den über 2500 in Afghanistan stationierten Soldaten besteht bei den mitreißenden Auftritten der deutschen Auswahl auch die Chance zum Durchschnaufen bei ihrer gefährlichen Mission. Im zentralasiatischen Staat, wo die Bundeswehr seit vier Jahren im Einsatz ist, ist die Lage längst nicht sicher und stabil. Erst vor gut einer Woche war das neue Lager im nordafghanischen Masar-i-Scharif Ziel eines Angriffs geworden. Bei Anschlägen auf Patrouillen der Bundeswehr an den anderen Standorten Kundus und Feisabad waren jüngst zwei Soldaten verletzt worden.

Kassat hatte sich mit seinen Stabsunteroffizieren Michael Lange (27 Jahre), Kai Wittenberg (25), Matthias Jess (27) und Christian Reinhold (26) vor einer grünen Torwand mit der orangefarbenen Aufschrift WM postiert. Sehr direkt fragte Jess den Bundestrainer, ob er denn nach der Weltmeisterschaft weitermache. Das hängt viel von der WM ab, antwortete Klinsmann über Satellit.

Stellvertretend für die vielen Einsatzorte Deutscher im Ausland war das streng bewachte Lager in Kabul ausgewählt worden. Die Idee sei von Klinsmann und dessen Berater Roland Eitel gekommen, verriet ARD-Redaktionsleiter Christoph Netzel. Zunächst wurde über ein Filmchen gesprochen, aber dann haben wir entschieden, dass wir es richtig machen, betonte Netzel. Mitten in Kabul aber wollten die Verantwortlichen die Live-Schaltung nicht realisieren, der Ü-Wagen wurde aus Sicherheitsgründen in den Bundeswehr-Standort gebracht. Wir haben exemplarisch einen sehr heißen Ort ausgewählt, aber wir wollten keine Zielscheibe bieten, erklärte Netzel.

Eine Schaltung im Rahmen einer DFB-Pressekonferenz, die nach ARD-Angaben täglich von rund 1,5 Millionen Zuschauern gesehen wird, war eine Premiere. Hoffentlich können wir Euch noch so viele Spiele wie möglich bieten, verabschiedete sich der Bundestrainer von seinen Fans in Uniform.


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