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Schalke nimmt eindrucksvoll Revanche | 2007-08-19


Gelsenkirchen - Andreas Müller konnte wieder lachen, verweigerte jedoch das obligatorische Pils danach. Während die Fans Spottgesänge auf den Erzrivalen Borussia Dortmund anstimmten, genoss der Manager des FC Schalke das hoch verdiente 4:1 (2:0) im Revierderby eher still.

Dieser Sieg gibt uns die Meisterschaft nicht zurück, ist aber ein wenig Balsam, sagte Müller. Gleichwohl war die Genugtuung auch bei ihm unverkennbar. Schließlich nahm der Vizemeister nicht nur erfolgreich Revanche für die bittere 0:2-Pleite vor 14 Wochen, sondern demütigte den ungeliebten Nachbarn.

Bei aller Freude über den Sieg schien der Manager noch einmal für kurze Zeit der am 12. Mai verspielten Titelchance nachzutrauen. Denn die im Vergleich zum damaligen Duell nur auf drei Positionen veränderte Mannschaft deutete an, was in Dortmund mit einer halbwegs normalen Vorstellung möglich gewesen wäre. Anders als damals kaufte sie der Borussia schon früh den Schneid ab. Die Treffer von Marcelo Bordon (11.), Christian Pander (31.), Gerald Asamoah (59.) und Kevin Kuranyi (78.) gaben die Überlegenheit nur bedingt wieder. Damit war der BVB noch gut bedient, befand Mittelfeldspieler Fabian Ernst.

Die Bemühungen der Vereinsspitzen, durch diverse Aktionen im Vorfeld der Partie für einen harmonischen Ablauf zu sorgen, machten sich im Großen und Ganzen bezahlt. Nur einmal schlugen die Wellen bedrohlich hoch. Das lautstarke Wortgefecht zwischen Roman Weidenfeller und Gerald Asamoah in der 51. Minute erregte die Gemüter. Der Schalker Nationalspieler erhob danach Rassismusvorwürfe gegen seinen Rivalen: Er hat schwarzes Schwein zu mir gesagt. Später hat er sich beiläufig entschuldigt, klagte Asamoah in der Bild am Sonntag.

Der BVB-Torhüter dementierte am Sonntag die Vorwürfe: So ein Ausdruck gehört nicht in mein Vokabular. Ich habe das nicht gesagt. Ich kann auch nicht verstehen, warum Gerald so ein Fass aufmacht. Vor drei Wochen waren wir noch zusammen feiern. Dennoch wird der DFB ermitteln. DFB-Präsident Theo Zwanziger kündigte eine genaue Untersuchung der Vorfälle an, warnte aber vor übereilten Schuldzuweisungen: Der DFB verurteilt rassistische Vorfälle jeder Art und wird sie konsequent bestrafen. Zunächst einmal muss in diesem konkreten Fall aber der Sachverhalt durch den Kontrollausschuss geklärt werden, bevor ich eine wertende Beurteilung vornehmen kann.

Nur gut, dass ansonsten der Sport im Mittelpunkt stand. Vor allem die brillanten Flanken und Freistöße von Pander, der seine Nachnominierung für die Partie der DFB-Elf in England mit einer starken Leistung rechtfertigte, deckten die Schwächen der maroden Dortmunder Deckung schonungslos auf. Das nach starker Vorbereitung hoch gehandelte Team von Trainer Thomas Doll präsentierte sich - ähnlich wie bei der 1:3-Heimpleite zum Saisonstart gegen Duisburg - wie ein Abstiegskandidat. Reinhard Rauball machte aus seinem Ärger über den Fehlstart mit bedenklichen sieben Gegentreffern in zwei Spielen keinen Hehl. Das muss Konsequenzen haben, forderte der ansonsten zurückhaltende BVB-Präsident nach dem zweiten Rückschlag, aber das ist Sache des Trainers und des Sportdirektors.

Anders als in Dortmund schwinden auf Schalke die Zweifel an der Klasse des Teams. Die noch vor der Saison von eigenen Spielern geäußerten Bedenken bestätigten sich nicht. Vielmehr scheinen die Königsblauen ohne ihren transferierten Spielmacher Lincoln weniger berechenbar zu sein. Das erstmals praktizierte 4-4-2-System bereitete wenig Probleme, das Spiel nach vorn war variabler. Matchwinner Pander wähnt den FC Schalke deshalb auf einem guten Weg: Wir haben das Zeug, oben mitzuspielen. Das haben wir in den ersten beiden Spielen bewiesen.

Dagegen können die Dortmunder, bei denen Kehl-Ersatz Marc-André Kruska zu allem Überfluss auch noch die Gelbe-Rote-Karte sah, von einem Platz in vorderen Tabellenregionen im Moment nur träumen. Erstmals seit 20 Jahren starteten sie mit zwei Niederlagen in die Saison. In nur kurzer Zeit ist die Vorfreude auf eine neue Mannschaft mit angeblich beachtlichem Offensiv-Potenzial großer Ernüchterung gewichen. Denn: Gelingt auch im nun anstehenden Heimspiel gegen Cottbus kein Sieg, drohen stürmische Zeiten. Mit der Aufarbeitung des Fehlstarts tun sich einige Profis schwerer, als Trainer Doll lieb sein kann. So klang das Statement von Manndecker Robert Kovac wenig verheißungsvoll: Wir müssen gegen Cottbus mit dem gleichen Engagement zur Sache gehen wie gegen Schalke.


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