Gelsenkirchen - Von den Fans geliebt, von Kollegen geschätzt, vom Gegner gefürchtet: Christian Pander gilt als Musterprofi mit glänzenden Perspektiven. Nach einer langen Leidensgeschichte und 19 Monaten Verletzungspause läuft es für den Verteidiger von Schalke 04 nun wie geschmiert.
Erst verlängerte der 23-Jährige seinen Vertrag auf Schalke bis 2011, dann führte er seinen Club mit einer Vorlage und einem tollen Freistoßtor zum 4:1 über Borussia Dortmund, und nun winkt ihm als Krönung sein Länderspiel-Debüt im Londoner Wembley-Stadion. In der letzten Zeit läuft es sehr gut für mich, fasste Pander seine ungetrübte Gemütslage zusammen.
Das war nicht immer so. Ende 2004 hatte Pander bereits die Einladung von DFB-Teamchef Jürgen Klinsmann für die Asienreise der Nationalmannschaft in der Tasche, verletzte sich jedoch im letzten Spiel vor dem Abflug. Ein Kreuzbandriss im Mai 2005 bedeutete für den talentierten Fußballer den endgültigen Karriereknick. Er verpasste den Confed-Cup und die WM im eigenen Land. Erst im November 2006 meldete sich Pander gegen Bayern München zurück und gehört nach einer weiteren Blessur in diesem Frühjahr zur Stammelf. Es war wichtig, dass er dann die komplette Vorbereitung mitmachen konnte. Das hat ihm gut getan, sagte Manager Andreas Müller, der wie Trainer Mirko Slomka schwärmt: Christian ist wegen seiner herausragenden Qualitäten sehr wichtig für uns.
Längst haben sich Panders Fähigkeiten, seine gefährlichen Flanken und Freistöße auch anderswo herumgesprochen. Nicht zuletzt deshalb band Müller den Münsteraner, der 2001 zu den Königsblauen wechselte, langfristig an den Club. Sogar Real Madrid hatte schon Interesse signalisiert. Doch für den Hobbymusiker, der am Samstag zu Gast im ZDF-Sportstudio war, sind Vereinstreue und Dankbarkeit keine Worthülsen. Real war kein Thema. Die Vertragsverlängerung auf Schalke war eine Herzensangelegenheit. Ich habe hier alles was ich brauche, betonte er. Als ich verletzt war, hat mir der Verein immer den Rücken gestärkt. Ich weiß jetzt, wer auch in schweren Zeiten zu mir steht. Eine ungewöhnliche Einstellung in einer Branche, in der Verträge oft nicht viel wert sind, Spielern mit Millionen-Angeboten der Kopf verdreht wird, und Profis - wie zurzeit Rafael van der Vaart beim Hamburger SV - sich ihrer Söldnermentalität nicht schämen.
Panders fußballerische Fähigkeiten sind über jeden Zweifel erhaben. Das musste auch die überforderte Borussen-Abwehr leidvoll erfahren. Er schlägt keine langsamen Bälle. Sie kommen mit unheimlich viel Speed und Schnitt, gestand BVB-Profi Christian Wörns. Gerald Asamoah lobte: Seine Schüsse sind eine Waffe. Pander freut sich nun auf das nächste Highlight. Ausgerechnet in Wembley das ersehnte Debüt im DFB-Dress zu feiern, wäre ein Traum. Noch kann er es kaum glauben. Ich bin froh, dass ich unverletzt bin und im Kader stehe. Ob ich dann spiele, ist erstmal zweitrangig.
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