Stuttgart - Mit Blech für Portugals goldene Generation hat sich Superstar Luis Figo von der internationalen Fußball-Bühne verabschiedet. Es ist hart für mich, meine Karriere so zu beenden, sagte der Weltfußballer des Jahres 2001 nach dem 1:3 (0:0) gegen Deutschland.
Ich habe getan, was ich konnte, meinte Figo und bestätigte nach im Spiel um Platz drei: Das war mein letztes Länderspiel. Ich höre zu einem Zeitpunkt auf, an dem der portugiesische Fußball auf einem Höhepunkt ist. Nur 14 Minuten lang durfte der angeschlagene 33-Jährige in Stuttgart noch einmal wirbeln, bevor er das weinrote Trikot für immer auszog.
Vor allem Hunderttausende weiblicher Fans werden Figo vermissen. 1991 war der Angreifer mit dem unvergleichlichen Sex-Appeal U 20-Weltmeister geworden. Nach 127 Länderspielen in 15 Jahren will sich Figo nun auf seinen Verein Inter Mailand, seine schwedische Frau Helen und seine drei Töchter konzentrieren. Sein Vertrag in Italien läuft noch ein Jahr.
Auch für Pauleta, seinen Stellvertreter als Kapitän, bleibt die Nationalmannschafts-Karriere eine Unvollendete. Der Moment ist gekommen. Alles hat ein Anfang und ein Ende. Jetzt ist das Ende erreicht. Ich gehe mit der Erkenntnis, alles für dieses Hemd gegeben zu haben, sagte der gleichaltrige Weggefährte Figos und schluckte: Heute ist der traurigste Tag meines Lebens. Trotz des ausgelassenen Jubels um die deutsche Mannschaft wehte ein Hauch von Fado, der melancholischen Musik Portugals, durch die Katakomben.
Figo hatte nach seiner Einwechslung in der 76. Minute noch das 1:3 durch Nuno Gomes vorbereitet. Nach dem Schlusspfiff wehrte er einen Versuch des deutschen Ersatzspielers David Odonkor ab, sein Trikot zu ergattern, und umarmte dann den ebenfalls scheidenden Torwart Oliver Kahn. Bevor Figo in einem Fernsehinterview seine befürchtete Entscheidung bekannt gab, informierte er in der Kabine die Teamkollegen. Ich habe ihnen gesagt, dass ich stolz bin, Teil dieser Mannschaft gewesen zu sein. Und ich habe mich bedankt für die Zuneigung und Unterstützung, die sie mir im Laufe der Jahre entgegengebracht haben, sagte er.
Vor den Augen des großen Eusebio, mit dem Portugal 1966 WM-Dritter war, erlebte der Vize-Europameister einen bitteren Abend. Der Abschied von Figo und Pauleta bedeutet das Ende einer Ära. Wir müssen ihre Entscheidung respektieren und sie von Herzen zu ihrer wunderbaren Karriere beglückwünschen, sagte Nuno Gomes.
Weiterhin bauen können die Portugiesen auf Mittelfeld-Asse wie Deco vom FC Barcelona und Maniche vom FC Chelsea - und auch auf Fernando Meira: Der Innenverteidiger vom VfB Stuttgart spielte eine ganz starke WM, auch wenn er sich für sein Heimspiel ein anderes Ergebnis gewünscht hatte - ebenso wie Trainer Luiz Felipe Scolari. Es tut mir Leid, nicht weitergekommen zu sein. Aber der vierte Platz ist auch keine Schande, sagte Scolari.
Der portugiesische Fußball-Verband kämpft darum, dass Brasiliens Weltmeistertrainer von 2002 seinen am 31. Juli auslaufenden Vertrag bis zur Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz verlängert. Der 57-Jährige ist nun anscheinend doch dazu bereit. Das Sportblatt O Jogo berichtete, eine Einigung sei so gut wie perfekt. Verbandschef Gilberto Madaíl sagte: Ich glaube, er bleibt. Scolari verwies auf Gespräche mit Madaíl in der Woche nach der WM. Ich habe mich noch nicht entschieden, der Präsident auch noch nicht. Jungstar Cristiano Ronaldo verriet: Scolari hat sich von uns nicht verabschiedet, sondern gesagt, dass wir uns im September wiedersehen.
Figo und Co. hinterlassen kein leichtes Erbe in dem kleinen Land, das in den vergangenen Jahren so groß aufspielte. Ich verlasse die Mannschaft in einem Moment, in dem dem portugiesischen Fußball gratuliert werden sollte, für das was er geleistet hat, sagte der umschwärmte Superstar. Ich hoffe, dass wir nicht weitere 40 Jahre warten müssen, um die Auswahl unter den besten Vier zu sehen.
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